Aktionskomitees – Fabrikkomitees – Räte

 

So wichtig Gewerkschaften und andere Massenorganisationen der ArbeiterInnenbewegung für den tagtäglichen Widerstand gegen die Angriffe der Kapitalisten sind, so sind sie in Phasen des offenen Kampfes der Massen unzureichend. Die Gewerkschaften sind von einer Bürokratie beherrscht, organisieren nur eine Minderheit des Proletariats und selbst unter dieser sind die oberen, z.T. privilegierten, Schichten überrepräsentiert. In jedem Kampf und auch in der Vorbereitung dafür sind die Bolschewiki-Kommunisten daher bestrebt, Basiskomitees außerhalb der bürokratischen Kontrolle aufzubauen. Oft werden diese die aktivsten und kämpferischsten Elemente in Aktionskomitees zusammenfassen. Das Ziel muss sein, diese Aktionskomitees in breite, umfassende Kampforganisationen am Arbeitsplatz, im Stadtteil, in den Schulen und Universitäten umzuwandeln. Diese Orientierung steht keineswegs im Gegensatz zur Arbeit innerhalb der bestehenden Massenorganisationen (Gewerkschaften usw.), sondern ergänzt vielmehr diese Tätigkeit. Die regelmäßige Arbeit innerhalb der Gewerkschaften an der Basis gegen die Bürokratie verbessert die Möglichkeiten der unabhängigen Organisierung der ArbeiterInnenklasse. Die Unterstützung jedes sich bietenden Ansatzes zum Aufbau von breiten Kampfkomitees wiederum stärkt eine Basisbewegung in den Gewerkschaften. Nur wenn die ArbeiterInnenvorhut an diesen beiden Fronten tätig ist, kann sie eine revolutionäre Politik, der Befreiung des Proletariats dienenden Linie verfolgen.


Tatsächlich hat die Geschichte – auch der jüngsten Vergangenheit – eindrucksvoll bewiesen, dass in Phasen des Aufschwunges des Klassenkampfes und insbesondere in (vor-)revolutionären Entwicklungen die ArbeiterInnen und Unterdrückten spontan dazu tendieren, eigenständige Organisationen an der Basis zu schaffen. Daher sahen zahlreiche Revolutionen in der Vergangenheit – beginnend mit der Pariser Kommune 1871 über die Revolutionen in Rußland, Deutschland, Österreich 1917-1920 bis in die Neuzeit – die Entstehung von selbstorganisierten Basiskomitees in den Betrieben und Stadtteilen. Wie immer auch ihr Name ist – Sowjets, Arbeiter- und Soldatenräte, Verteidigungskomitees – sie verkörpern eine alternative Macht. Sie organisieren die ArbeiterInnen und die unterdrückten Schichten unabhängig vom bürgerliche Staatsapparat, sie ermöglichen, dass diese die zentralen Frage diskutieren und entscheiden und dass sie VertreterInnen wählen können, die kontrollierbar und abwählbar sind und keinerlei Privilegien genießen. Solche Räte bieten auch die Möglichkeit, dass die ArbeiterInnen und Unterdrückten nicht im Schlepptau von abgehobenen, bürgerlichen Führungen geraten, sondern ihre Politik selber bestimmen können.


Auch während der Arabischen Revolution entstanden spontan zahlreiche Komitees, die zumindest in embryonaler Form einen Schritt in Richtung Räte verkörpern. In zahlreichen Städten Tunesiens setzte die Bevölkerung die verhaßten, dem alten Ben Ali-Regime ergebenen Bürgermeister ab, vertrieb die lokalen Polizisten und übernahm selber die Kontrolle. Ähnlich auch in Ägypten, wo sogenannte Volkskomitees entstanden, die in den Stadtteilen das tagtägliche Leben zu organisieren versuchen und sich gegen die Schläger des Regimes und Plünderungen durch Kriminelle verteidigen. Schließlich entstanden auch im Laufe der Griechischen Revolution Basisversammlungen und –komitees in Betrieben und Stadtteilen.


Wir Bolschewiki-KommunistInnen sagen, dass diese spontane Tendenz vieler Revolutionen große Errungenschaften darstellen. Es ist unabdingbar, dass diese Entwicklung ausgeweitet und organsiert wird. Von vereinzelten Basiskomitees muss der Schritt zur Vernetzung und zur landesweiten zentralisierten Koordination von in den Betrieben und Stadtteilen verankerten Räten gemacht werden. Nur auf diese Weise kann die Grundlage für einen von der ArbeiterInnenklasse selber kontrollierten Kampf bis hin zum bewaffneten Aufstand gegen die herrschende Klasse und schließlich der Errichtung der Macht der ArbeiterInnenklasse (der Diktatur des Proletariats) geschaffen werden.


Eine solche „sowjetische“ Strategie – also eine Strategie, die den Aufbau und die Weiterentwicklung von Räten (der Begriff ‚Sowjet‘ bedeutet ‚Rat‘ auf russisch) zu einem zentralen Eckpfeiler der Orientierung macht – muss integraler Bestandteil des revolutionären Programms der Befreiung der ArbeiterInnenklasse sein. Sie ist ein unabdingbares Mittel der ArbeiterInnenklasse und der Unterdrückten, um den Kampf und den gesellschaftlichen Wandel kontrollieren und gegen die unausweichlichen Versuche der Bevormundung und Unterdrückung durch eine Bürokratie Widerstand leisten zu können.

 


Zurück: Veränderungen in der ArbeiterInnenklasse

Weiter: Demokratische Protestbewegungen


Free Homepage Translation