Internationale Arbeiterhilfe für Bosnien: Unsere Solidaritätsarbeit mit dem Befreiungskampf Bosniens 1992-95

Von Michael Pröbsting, Revolutionär-Kommunistische Internationale Tendenz (RCIT), 11.2.2014, www.thecommunists.net

 

In unsere Resolution “Sieg für die bosnische Revolution” haben wir unsere Haltung während des Bosnienkriegs 1992-1995 zusammengefasst. „Die RCIT (bzw. unsere Vorgängerorganisation) verteidigte immer das bosnische Volk gegen den Völkermordkrieg, der von der serbischen (und kroatischen) nationalistischen Kräften im Jahr 1992 begonnen wurde. Dieser Krieg brachte unsägliches Leid für die bosnischen Muslime und jene Serben und Kroaten, die die nationalistische Spaltung Bosniens durch die serbischen und kroatischen Chauvinisten ablehnten. Laut einem Bericht aus dem Jahr 2008, den der Leiter des bosnischen Delegation bei den Vereinten Nationen über den Krieg von 1992 bis 1995 gab, wurden 200.000 Menschen getötet, darunter 12.000 Kinder, bis zu 50.000 Frauen wurden vergewaltigt, und 2,2 Millionen wurden vertrieben (in einem Land mit etwa 4 Millionen Einwohnern)! Wir verurteilten die reaktionäre bosnische Regierung von Alija Izetbegović, die – wie die Bürokratien der anderen Republiken – danach strebte, den Kapitalismus wiedereinzuführen und die darin versagte, das bosnische Volk gegen die chauvinistischen Aggressoren zu verteidigen. Wir sind für die internationale Unterstützung des nationalen Befreiungskrieges des bosnischen Volkes eingetreten und verbanden dies mit der Perspektive einer multi-nationalen Arbeiterrepublik in Bosnien als Teil einer sozialistischen Balkanföderation. Wir verurteilten die US- und EU-Imperialisten, die den bosnischen Widerstand mit einem Waffenembargo behinderten und dessen UN-Truppen mit den serbischen Chauvinisten zusammenarbeiteten, als der Schlächter General Mladić den Massenmord an 8.000 muslimischen Männern in Srebrenica im Juli 1995 organisierte. Wir waren Teil der Internationalen Arbeiterhilfe – einer Kampagne, die Medizin, Kleidung, etc. an die Arbeiterfamilien in Tuzla und anderen Orten lieferte. Wir traten für Waffenlieferungen und internationale Freiwilligenbrigaden für den bosnischen Widerstand ein und verurteilten die NATO-Bombenkampagne im Sommer 1995. Letztere stoppte die bosnischen Streitkräfte, als diese drauf und dran waren, ihre Gebiete, die sie in den ersten Kriegsjahren verloren hatten, zurückzuerobern. Kurz gesagt, die RCIT trat – im Gegensatz zu vielen pseudo- marxistischen Gruppen – für den Sieg des bosnischen Volkes und für die Niederlage der reaktionären serbischen Chauvinisten ein und kombinierte dies mit der Perspektive einer sozialistischen Balkanföderation.“ (RCIT: Für den Sieg der Bosnischen Revolution! ArbeiterInnen und Jugendliche: Bildet Räte und ergreift die Macht! Weitet die Revolution auf den gesamten Balkan aus! Für eine sozialistische Föderation der Balkan-Völker!, 9.2.2014, http://www.thecommunists.net/home/deutsch/bosnien-voran-zur-revolution/)

In diesem Artikel werden wir kurz über unsere Aktivitäten in der „International Workers Aid“ (IWA, Internationale Arbeiterhilfe) Kampagne von 1993-95 berichten. Sie war eine breite Kampagne von Gewerkschaftern und linken Organisationen, die im Sommer 1993 begann. Wir sammelten Lebensmittel, Medikamente und Kleidung und brachten sie mit Lastwagen nach Tuzla. Tuzla war das Herz des multi-ethnischen bosnischen Widerstandes der Arbeiterklasse gegen die serbischen chauvinistischen Milizen während des Befreiungskrieges von 1992 bis 1995. Zu dieser Zeit lebten 140.000 Einwohner und 70.000 Flüchtlinge in Tuzla. Die Kampagne wurde in Schottland begonnen und existierte bald danach in 11 Ländern, darunter die skandinavischen Länder, Österreich und Italien.

Die Vorgängerorganisation der RCIT (die „Liga für eine Revolutionär-Kommunistische Internationale“) war von Anfang an Teil der IWA-Kampagne in mehreren europäischen Ländern. Der Autor dieses Artikels war der Koordinator der Kampagne in Österreich.

Die Kampagne erhielt breite Unterstützung von vielen Gewerkschaften. In Großbritannien unterstützten die Gewerkschaften der Drucker, der Erdölarbeiter, der Transportarbeiter, der Bergleute, die Hafenarbeiter und der Journalisten die Kampagne. Ebenso waren auch die belgische Metallarbeitergewerkschaft, die Französisch CGT, verschiedene lokale und kleine Gewerkschaften in Deutschland und Österreich, der Unabhängige Gewerkschaftsbund in Kroatien sowie slowenische Gewerkschaften Teil der Kampagne.

Der erste Konvoi der IWA kam am 7. November 1993 nach Tuzla und brachte etwa 18 Tonnen Hilfsgüter. Dies war zwar angesichts der schrecklichen Umstände nicht viel, aber es machte den Menschen in Tuzla viel Mut.

Wir wollen nicht verbergen, dass es auch politische Schwächen in der Plattform der IWA–Kampagne gab. Es fehlte eine klare politische internationalistische und antiimperialistische Perspektive. Auf einer internationalen Konferenz im Herbst 1993 in Manchester nahm ich als Delegierter für das österreichische IWA-Komitee teil. Während einige unserer Vorschläge angenommen wurden, wurden die folgenden beiden abgelehnt. Ich schlug vor, die Losungen hinzufügen „Für die Aufhebung des Waffen-Embargos gegen Bosnien!“ und „UN-Truppen raus aus Bosnien!“. Wir haben erkannt, dass der bosnische Widerstand am meisten unter dem imperialistischen Waffenembargo litt und dringend Waffen benötigte, um dem Völkermord-Krieg der serbischen (und kroatischen) Rassisten Widerstand zu leiten. Und wir hatten keine Illusionen über die rückschrittliche Rolle der UN-Truppen, die so offensichtlich in Srebrenica und an anderen Orten wurde.

Dennoch war die Internationale Arbeiterhilfe ein eindrucksvolles Beispiel für die internationale Solidarität der Arbeiterklasse mit dem bosnischen Volk, das den schlimmsten Völkermord in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg erleiden musste. Die RCIT ist stolz darauf, Teil dieser Kampagne gewesen zu sein.