Faschismus-Broschüre: Glossar/Begriffserklärung

 

 

ArbeiterInnenklasse (Proletariat)

 

Unter ArbeiterInnenklasse - oder auch Proletariat - verstehen MarxistInnen die Klasse der Lohnabhängigen, die gezwungen sind, ihre Arbeitskraft an das Kapital zu verkaufen. Das Kapital - oder die Klasse der Bourgeoisie - ist die Klasse der Besitzer von Produktionsmittel, also der Betriebe. Zur ArbeiterInnenklasse gehören nicht nur die IndustriearbeiterInnen, sondern auch die meisten Angestellten und öffentlich Bediensteten. Manager, die der Kontrolle und Unterdrückung der Beschäftigten dienen und deren Gehalt indirekt aus dem Profit bezahlt wird oder auch Polizisten oder Berufssoldaten gehören nicht zur ArbeiterInnenklasse.

 

 

 

Bourgeoisie

 

Unter Bourgeoisie – der Begriff kommt von „Bürgertum“ - verstehen MarxistInnen die Klasse der KapitalistInnen. Mit anderen Worten: die Klasse der Besitzer von Produktionsmittel, also der Betriebe. Gemeinsam mit der Kaste führender PoltikerInnen und der Spitzenbeamte bilden sie die herrschende Klasse im bürgerlichen Staat.

 

 

 

Degenerierter ArbeiterInnenstaat

 

Als degenerierte ArbeiterInnenstaaten bezeichneten wir TrotzkistInnen die stalinistischen Staaten Osteuropas, der Sowjetunion (seit den 1930er Jahren) und China bis 1989-91. Sie zeichneten sich durch die Abschaffung der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse und die einer verbürokratisierten Planwirtschaft sowie der politischen Diktatur einer bürokratischen Kaste aus. Wir verteidigten daher diese degenerierten Arbeiterstaaten in Konflikten gegen den Imperialismus (z.B. gegen Deutschland im Zweiten Weltkrieg oder im Koreakrieg 1950-53 gegen die USA). Gleichzeitig traten wir für eine politische Revolution der ArbeiterInnenklasse gegen die bürokratische Herrschaft und die Errichtung eines wirklichen, sozialistischen ArbeiterInnenstaates ein. Heute existieren nur noch in Kuba und Nordkorea degenerierte ArbeiterInnenstaaten.

 

 

 

Etappentheorie

 

Unter Etappentheorie verstehen wir die von Stalin begründete Theorie, laut jener der Kampf gegen imperialistische Unterdrückung, gegen eine Diktatur, oder auch gegen die Monopolkonzerne im Westen vom Kampf für den Sozialismus zu trennen sei. Es handle sich hier um zwei unterschiedliche Etappen. Laut den stalinistischen Ideologen soll die ArbeiterInnenklasse zuerst gemeinsam mit allen anderen bürgerlichen und kleinbürgerlichen Schichten, die mit dem Imperialismus bzw. den Monopolen in Konflikt geraten, kämpfen und sich deren Führung unterordnen. Erst zu einem viel späteren Zeitpunkt könne die ArbeiterInnenklasse den Kampf für eine sozialistische Umwälzung aufnehmen. Der russische Marxist Leo Trotzki stellte dieser Etappentheorie die Theorie der permanenten Revolution entgegen. (siehe Permanente Revolution)

 

 

 

Kleinbourgeoisie, Kleinbürgertum, kleinbürgerlich

 

Unter Kleinbourgeoisie (Kleinbürgertum) versteht man die Klasse von Kleineigentümern, die zwar Produktionsmittel besitzen, aber ihren Betrieb alleine oder als Familienunternehmen führen. Sie beuten also keine Lohnabhängigen aus. In der Regel sind entweder Selbstständige in den Städten oder Bauern.

 

 

 

Mehrwert

 

Der Mehrwert ist jener Teil des Wertes einer Ware, die der Arbeiter oder die Arbeiterin produziert, jedoch nicht als Lohn abgegolten bekommt. Statt dessen eignet sich der Kapitalist diesen Mehrwert als Profit an. Die Mehrwertrate ist das Verhältnis des Mehrwerts zum Lohn (=variables Kapital) und ist somit ein Indikator für die Ausbeutungsrate. Der Mehrwert oder Profit entsteht also nicht aus den Maschinen, sondern ausschließlich aus der menschlichen Arbeitskraft bzw. dem Teil, um den der Kapitalist den Arbeiter prellt.

 

 

 

Permanente Revolution

 

Die von Leo Trotzki entwickelte Theorie der permanenten Revolution verarbeitete die Erfahrungen der siegreichen russischen Revolution 1917 als auch diverser gescheiterten Revolutionen. Die Revolution kann nicht schematisch in Etappen unterteilt werden, sondern muß als ein Prozeß verstanden werden, indem die ArbeiterInnenklasse von Anfang an versucht, die Führung zu übernehmen und die Revolution weiterzuführen. Das Ziel ist nicht – wie bei den Stalinisten – die Errichtung einer reformierten kapitalistischen Gesellschaft, sondern die Machtergreifung der ArbeiterInnenklasse und ihrer verbündeten Schichten (Bauern, städtische Armut). Nur so kann eine sozialistische Gesellschaft aufgebaut werden. Die Theorie der permanenten Revolution geht davon aus, daß wenn die Revolution nicht zur sozialistischen Machtergreifung weiter geführt wird, diese unweigerlich mit dem Sieg der herrschenden Klasse und einer Konterrevolution endet. Ebenso geht die Theorie der permanenten Revolution davon aus, daß die Revolution nicht dauerhaft in einem einzelnen Land siegreich sein kann (wie es Stalin behauptete), sondern sich international ausbreiten muß. Die moderne Wirtschaft hat gerade im Zeitalter des globalen Kapitalismus alle Ländern vom internationalen Austausch von Gütern, Technologien und Wissen abhängig gemacht. Darüber hinaus würden über kurz oder lang die imperialistische Großmächte keine siegreiche Revolution in einem einzelnen Land dulden. MarxistInnen treten daher für die Strategie der permanenten Revolution nicht deswegen ein, weil sie radikaler oder „aufregender“ ist, sondern weil sie die einzige realistische Möglichkeit darstellt, das kapitalistische System zu überwinden.

 

 

 

Reaktionär

 

Kommt aus dem Latein und heißt wortwörtlich rückwärtsgewandt. In der Regel wird damit ein System oder eine Ideologie bezeichnet, die den Interessen der ArbeiterInnenklasse und des Fortschritts im Sinne der Menschheit vollkommen zuwider laufen und der herrschenden Klasse dienen.

 

 

 

Reformismus

 

Unter Reformismus verstehen MarxistInnen die Politik von sozialdemokratischen oder „kommunistischen“ Parteien. Der Reformismus dient in Wirklichkeit nur den Interessen der Schicht von BürokratInnen, die diese Parteien und die Gewerkschaften beherrschen. Während sie in Worten (und oft nicht einmal mehr das) für eine nicht-kapitalistische, sozialistische Gesellschaft eintreten, beschränken sie sich in der Praxis auf das Verbessern des kapitalistischen Systems. In der Regel beschränken sie sich sogar nur darauf, nicht ganz so scharfe Angriffe auf die breite Masse der Bevölkerung zu unternehmen (siehe Blair, Schröder oder in Österreich Vranitzky, Klima, Gusenbauer, Faymann). Der Reformismus versucht die ArbeiterInnen als Stimmvieh bei Wahlen zu benützen. Die ArbeiterInnen sollen sich nicht eigenständig in Aktionskomitees oder Räten an der Basis organisieren und direktdemokratisch entscheiden, sondern als Manövriermasse unter Kontrolle der Partei- und Gewerkschaftsbürokratie dienen.

 

 

 

Stalinismus

 

Der Begriff Stalinismus geht auf den sowjetischen Diktator Josef Stalin zurück. Dieser zerstörte viele Errungenschaften der russischen Revolution 1917. Er unterdrückte die demokratischen Rechte der ArbeiterInnen und Bauern, entmachte die Räte und errichtete eine Diktatur der Bürokratie. Er rechtfertigte dies damit, daß die ArbeiterInnenklasse noch nicht reif genug wäre und daß der Sozialismus zuerst in einem Land aufgebaut werden müsse. Ebenso rechtfertigte er damit seine Politik, revolutionäre Kämpfe in anderen Ländern zu verraten (z.B. China 1927, Spanien 1936-39, Griechenland 1944-48), um im Gegenzug kurzfristige Bündnisse mit den herrschenden Klassen in anderen Ländern zu erzielen. Der Hauptgegner Stalins und des Stalinismus war die Strömung des Marxismus um Leo Trotzki und seine Vierte Internationale.

 

 

 

Trotzkismus

 

Der Begriff Trotzkismus geht auf den russischen Revolutionär Leo Trotzki zurück. Trotzki war einer der wichtigsten marxistischen Theoretiker des 20. Jahrhunderts und neben Lenin der zentrale Führer der russischen Revolution 1917. Auf ihn gehen u.a. die Analyse des Stalinismus und die Theorie der permanenten Revolution zurück. Er gründete 1938 die Vierte Internationale – die Weltpartei der sozialistischen Revolution. Diese zerfiel jedoch zwischen 1948-51 politisch und organisatorisch. Marxistische RevolutionärInnen kämpfen heute für den neuerlichen Aufbau einer Internationale – der 5. ArbeiterInnen-Internationale (siehe www.rkob.net). Eine Reihe von Trotzki-Schriften (wie auch von Marx, Engels, Lenin und anderen Revolutionären) finden sich im Internet unter www.marxists.org.

 

 

 

Volksfront-Politik

 

Unter Volksfront-Politik verstehen MarxistInnen die Strategie der politischen, klassenübergreifenden Zusammenarbeit der ArbeiterInnenklasse mit Teilen des Bürgertums. Der Begriff Volksfront wurde von den stalinistischen Ideologen 1935 geprägt. Die Volksfront-Politik kann sich in Wahlbündnissen, gemeinsamen politischen Allianzen bzw. dem Versuch, solche zustande zu bringen, ausdrücken. In der Praxis bedeutet dies eine Unterordnung der ArbeiterInnenklasse unter bürgerliche Interessen, da ansonsten nicht die Zustimmung dieser bürgerlichen Bündnispartner gewonnen werden kann. MarxistInnen vertreten demgegenüber die Taktik der Einheitsfront, also gemeinsame, begrenzte praktische Aktionen mit anderen Kräften in der ArbeiterInnenbewegung (in manchen Fällen sogar auch kleinbürgerlicher oder bürgerlicher Organisationen).

 

 

 

Zentrismus

 

Unter Zentrismus verstehen MarxistInnen jene Organisationen, die zwischen reformistischen und revolutionären Positionen hin und her schwanken. Zentrismus bedeutet in der Regel Anpassung an den Reformismus unter dem Deckmantel der marxistischen Buchstabentreue. Er zeichnet sich durch eine auf allgemeiner Ebene oft richtige Kritik am Reformismus aus, um dann jedoch vor „den praktischen Schlußfolgerungen auszuweichen und somit seine Kritik gegenstandslos zu machen.“ (Trotzki: “Zentrismus und die IV. Internationale”, 1934)