Gemeinsamer Kampf für die Frauenbefreiung!

In der gesamten Geschichte der Menschheit existierte das System der Klassenausbeutung von Beginn an Hand in Hand mit Formen der politischen Unterdrückung (durch den Staat) und der gesellschaftlichen Unterdrückung von besonderen Schichten (z.B. Frauen, Jugend usw.). Die Unterdrückung der Frau ist somit tiefverwurzelt in die Geschichte der Klassengesellschaft und wird erst mit der Beseitigung derselben absterben können. Deswegen ist der Kampf für die Frauenbefreiung naturgemäß eng mit dem Kampf für den Sozialismus verbunden.


Entgegen den Behauptungen der bürgerlichen und liberalen Hofschreiberlinge hat sich in den letzten Jahrzehnten bloß die Form der Unterdrückung von uns Frauen geändert, jedoch nicht das Wesen. Zwar sind mittlerweile knapp 53% aller Frauen berufstätig. Aber aufgrund ihrer Unterdrückung trifft die kapitalistische Ausbeutung die Frauen besonders hart. Weltweit sind 60% aller working poor und rund 70% der Armen weiblich. Während wir Frauen durchschnittlich 2/3 aller Arbeiten erledigen, erhalten wir nur ein Zehntel vom Gesamteinkommen und besitzen nur ein Prozent des Eigentums.


Kurz, wir verdienen weniger Lohn für die gleiche Arbeit, machen den Großteil der unbezahlten Hausarbeit und Kindererziehung und sind darüber hinaus oftmals Opfer von Gewalt und Belästigung. Darüberhinaus versucht der reaktionäre Staat uns vorzuschreiben, welche Bekleidung wir tragen dürfen bzw. müssen. In den westlichen imperialistischen Staaten und der Türkei werden muslimische Frauen benachteiligt, wenn sie ein Kopftuch bzw. eine Burka tragen. In vielen islamischen Ländern wiederum sind wir Druck und offenen Terror ausgesetzt, wenn wir die religiösen Kleidervorschriften nicht einhalten.


Eine besonders offensichtliche Form der Frauenunterdrückung ist die Prostitution, zu der immer mehr Frauen weltweit gezwungen sind – sei es aus finanzieller Not und/oder durch offene körperliche Gewalt. Durch die großteils nicht-legalen Arbeitsbedingungen werden Prostituierte umso leichter Opfer der Ausbeutung und Kriminalisierung durch Zuhälter und Polizei. Wir treten für die vollständige Legalisierung der Prostitution, die gewerkschaftliche Organisierung der Prostituierten sowie staatlich geförderte Ausbildungsprogramme, um einen Ausstieg aus der Prostitution zu ermöglichen, ein. Solange der Kapitalismus und somit auch Frauenunterdrückung bestehen bleibt, solange wird es auch Prostitution geben. Erst nach der sozialistischen Revolution kann die Prostitution bekämpft und abgeschafft werden.


Wir Frauen machen die Hälfte der ArbeiterInnenklasse und der Unterdrückten aus und unter der breiten Masse ihrer unteren Schichten stellen wir die Mehrheit. Doch in den Massenorganisationen spielen wir bloß eine untergeordnete Rolle. Warum? Einerseits weil gesellschaftliche Unterdrückung unsere Teilnahme am Klassenkampf erschwert, andererseits aber auch deswegen, weil die meisten Massenorganisationen von einer reformistischen Bürokratie beherrscht und von den oberen, aristokratischen Schichten dominiert werden. Die Bürokratie fürchtet die massenhafte und aktive Teilnahme von uns proletarischen und armen Frauen, denn gerade wir haben nichts zu verlieren als unsere Ketten. Deswegen muss eine Strategie, die auf die Revolutionierung der Massenorganisationen ausgerichtet ist, hoffnungslos scheitern, wenn sie sich nicht auf die breite Mobilisierung der proletarischen und armen Frauen stützt.


Während der Reformismus die Teilnahme der Frauen am Klassenkampf behindert, steht der Feminismus für eine Trennung des Kampfes für die Frauenbefreiung vom allgemeinen Klassenkampf. Eine solche Trennung ist zutiefst rückschrittlich, denn sie bedeutet die künstliche Trennung einer Form des Klassenkampfes von der Gesamtheit des Klassenkampfes. Doch die Frauenunterdrückung ist untrennbarer Bestandteil der gesamten kapitalistischen Klassengesellschaft und nur im Kampf gegen diese auch zu überwinden.


Zudem ist der Feminismus eine Strömung, der den Interesse der kleinbürgerlichen und bürgerlichen Frauen entspricht. Diese Frauen erleben zwar ebenso Frauenunterdrückung, haben aber im Gegensatz zu den Frauen unserer Klasse in erster Linie das Bestreben, den Männern ihrer Klasse innerhalb des Systems gleichgestellt zu sein und nicht das kapitalistische Klassensystem als solches zu zerschlagen. Im 19. Jahrhundert beklagten die kleinbürgerlichen und vor allem bürgerlichen Frauen, die aus rechtlichen Gründen die meisten akademischen Berufe nicht ausüben durften, dass sogar ein männlicher Arbeiter (jemand aus „niederer Klasse“) ihnen übergeordnet ist wegen dessen Möglichkeit berufstätig zu sein. Das widerspiegelt, dass es im Klasseninteresse dieser bürgerlichen Frauen liegt, die Klassenunterdrückung der ArbeiterInnen aufrecht zu halten, aber die eigene Unterdrückung als Frau in den Reihen der eigenen Klasse aufzuheben. Auch für die Feministinnen gilt, dass ihre zumeist (klein)bürgerliche Klassenlage bzw. -solidarität der ausschlaggebende Faktor ist und nicht die „Frauensolidarität“, die sie so gerne predigen.


Gerade deswegen halten es die Bolschewiki-Kommunisten für die vordringliche Aufgabe der Avantgarde, eine revolutionäre Frauenbewegung aufzubauen sowie die massenhafte Organisierung der Frauen in den Gewerkschaften und anderen Massenorganisationen voranzutreiben. Ebenso treten wir für das Recht auf eigene Treffen der Frauen sowie den Aufbau eigener Sektionen innerhalb der Massenorganisationen der ArbeiterInnen und Unterdrückten ein. Von besonderer Bedeutung schließlich ist die Rolle von uns Frauen in der revolutionäre Partei: Die Partei der Revolution muss die Partei sein, die nicht nur für die Frauenbefreiung kämpft, sondern in der auch die revolutionären Frauen einezentrale und führende Rolle einnehmen.


* Schluß mit allen Formen der rechtlichen Benachteiligung der Frauen – sei es in der Arbeitswelt, beim Zugang zur Bildung oder bei den Wahlen!


* Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!


* Für den massiven Aufbau von kostenlosen, gut ausgestatteten Kinderbetreuungseinrichtungen rund um die Uhr! Für ein breit gefächertes Angebot von günstige und hochwertigen öffentlichen Verpflegungsstätten und Wäschereien! Unser Ziel ist die Vergesellschaftung der Hausarbeit!


* Massive Unterstützung zur Umwandlung der Teilzeit- in Vollzeitbeschäftigungsverhältnisse für Frauen!


* Für ein öffentliches Beschäftigungsprogramm, um die Voraussetzung für die Vergesellschaftung der Hausarbeit zu schaffen und gleichzeitig die Arbeitslosigkeit unter den Frauen zu beseitigen!


* Freier Zugang zu kostenlosen Verhütungsmitteln und Abtreibung auf Verlangen ohne Ansehen des Alters und unabhängig davon, im welchen Monat der Schwangerschaft sich die Frau befindet!


* Kampf der Gewalt gegen Frauen! Für den Ausbau öffentlicher und von Frauenorganisationen kontrollierten Frauenschutzeinrichtungen! Für den Aufbau von Selbstverteidigungseinheiten gegen frauenfeindliche Gewalt durch die ArbeiterInnen- und Frauenbewegung!


* Weg mit allen Gesetzen und öffentlichen Kampagnen über religiöse Kleidervorschriften! Für das Recht auf das Tragen religiöser Kleidung unabhängig davon, ob es sich um eine Form von muslimischer Verschleierung, um den Dastar der Sikhs o.ä. handelt! Aber auch gegen jeden Zwang, diese tragen zu müssen!


* Für den Aufbau einer revolutionären Frauenbewegung! Für das Recht auf eigene Treffen von Frauen in den Massenorganisationen der ArbeiterInnen und Unterdrückten

 


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