Griechenland: Eine moderne Halbkolonie (Kapitel I. Theoretische Betrachtungen)

Bevor wir eine konkrete Analyse des griechischen Kapitalismus und seines besonderen Klassencharakters vorlegen, müssen wir mit einer Zusammenfassung der theoretischen Herangehensweise von MarxistInnen zu dieser Frage beginnen: Wie lautet die korrekte Definition eines imperialistischen bzw. halbkolonialen Staats? Unser methodologisches Verständnis des Imperialismus basiert auf Lenins Theorie, die seit dem frühen 20. Jahrhundert die Basis für den revolutionären Marxismus bildet. [1]

 

 

 

I.1 Was sind die charakteristischen Kennzeichen eines imperialistischen bzw. halbkolonialen Staats?

 

 

 

Lenin beschrieb als die wesentlichen Kennzeichen des Imperialismus die Bildung von Monopolen, die die Wirtschaft dominieren. Im Zusammenhang damit betonte er die Fusion von Bank- und Industriekapital in Finanzkapital, die Zunahme von Kapitalexport gemeinsam neben dem Warenexport und den Kampf um Einflusssphären, v.a. Kolonien. [2]

 

Die Bildung von Monopolen und Großmächten führte zunehmend zur Aufteilung der ganzen Welt unter die rivalisierenden imperialistischen Staaten in verschiedene Einflussgebiete und zur Unterwerfung der meisten Länder unter diese wenigen Großmächte. Daraus folgt ein besonderes Kennzeichen von Lenins (und Trotzkis) Imperialismus-Analyse: die Charakterisierung des Verhältnisses zwischen den imperialistischen Nationen und der großen Mehrheit der Völker, die in weniger kapitalistisch entwickelten Ländern lebt, als Unterdrückungsverhältnis. Tatsächlich kam Lenin, und ihm folgend auch Trotzki, zu dem Schluss, dass diese Aufteilung der Länder der Welt in unterdrückende und unterdrückte Nationen eines der wichtigsten Merkmale der imperialistischen Epoche ist:

 

Der Imperialismus ist die fortschreitende Unterdrückung der Nationen der Welt durch eine Handvoll Großmächte (…) Eben deshalb muß die Einteilung der Nationen in unterdrückende und unterdrückte den Zentralpunkt in den sozialdemokratischen Programmen bilden, da diese Einteilung das Wesen des Imperialismus ausmacht und von den Sozialpatrioten, Kautsky inbegriffen, verlogenerweise umgangen wird. Diese Einteilung ist nicht wesentlich vom Standpunkt des bürgerlichen Pazifismus oder der kleinbürgerlichen Utopie der friedlichen Konkurrenz der unabhängigen Nationen unter dem Kapitalismus, aber sie ist eben das Wesentlichste vom Standpunkt des revolutionären Kampfes gegen den Imperialismus.[3]

 

Daraus schloss Lenin, dass die Aufteilung in unterdrückte und unterdrückende Nationen ein zentraler Bestandteil des marxistischen Programms sein muss:

 

 Als Gegengewicht zu dieser spießbürgerlichen opportunistischen Utopie muß das Programm der Sozialdemokratie (so nannten sich MarxistInnen zu dieser Zeit, Anm. d. Red.) als das Grundlegende, Wesentliche und Unvermeidliche beim Imperialismus die Einteilung der Nationen in unterdrückte und unterdrückende hervorheben.[4]

 

Das Verhältnis zwischen Staaten muss in der Gesamtheit seiner wirtschaftlichen, politischen und militärischen Belange gesehen werden – “die ganze Totalität der mannigfaltigen Beziehungen dieses Dinges zu den anderen“ (Lenin). [5] Der jeweilige Staat darf nicht nur als eigenständige Einheit gesehen werden, sondern vor allem in seinen Beziehungen zu anderen Staaten und Nationen. Nebenbei bemerkt können auch Klassen nur im Verhältnis zueinander verstanden werden. Ein imperialistischer Staat stellt üblicherweise ein unterdrückerisches Verhältnis zu anderen Staaten und Nationen her, die er auf die eine oder andere Weise überausbeutet – d.h. er eignet sich einen Anteil des produzierten kapitalistischen Werts an. Aber auch das muss in seiner Gesamtheit betrachtet werden, d.h. wenn ein Staat Profite aus seinen Auslandsinvestitionen gewinnt, aber selbst noch viel mehr an andere Länder aufgrund von deren Auslandsinvestitionen oder Darlehen etc. zahlen muss, kann dieser Staat meist nicht als imperialistisch bezeichnet werden.

 

Die wirtschaftliche Basis des Verhältnisses zwischen imperialistischen und halbkolonialen Ländern ist es, was Lenin die Überausbeutung dieser unterdrückten Nationen durch die imperialistischen Monopole nannte. Wegen dieser Überausbeutung kann das Monopolkapital – zusätzlich zur durchschnittlichen Profitrate – einen Extraprofit lukrieren. Diese Extraprofite sind wichtige Zuschläge zu den Profiten, die das Monopolkapital bereits aus den ArbeiterInnen in den reichen Ländern herausholt. Sie sind außerdem eine wichtige Quelle zur Bestechung der höheren, aristokratischen Teile der ArbeiterInnenklasse und v.a. der Arbeiterbürokratie in den imperialistischen Ländern, was der Stärkung der Herrschaft des Monopolkapitals dient.

 

In unserem Buch Der große Raub des Südens werden vier verschiedene grundlegende Formen der Überausbeutung, mit denen das Monopolkapital Extraprofite aus kolonialen und halbkolonialen Ländern gewinnt, herausgearbeitet: [6]

 

i) Kapitalexport als produktive Investition

 

ii) Kapitalexport als Geldkapital (Darlehen, Währungsreserven, Spekulation usw.)

 

iii) Werttransfer über ungleichen Austausch

 

iv) Werttransfer über Migration (basierend auf der Überausbeutung der MigrantInnen als einer national unterdrückten Schicht der ArbeiterInnenklasse)

 

 

 

Zuletzt wollen wir die Notwendigkeit betonen, die Gesamtheit der wirtschaftlichen, politischen und militärischen Position eines Staats in der globalen Staatshierarchie zu betrachten. So können wir einen bestimmten Staat als imperialistisch sehen, auch wenn er wirtschaftlich schwächer ist, aber eine relative starke politische und militärische Position innehat (wie Russland vor 1917 und – wieder – Anfang des 21. Jahrhunderts). Solch eine starke politische und militärische Position kann dazu genutzt werden, andere Länder und Nationen zu unterdrücken und von ihnen kapitalistischen Wert abzuziehen.

 

Natürlich ist es nicht genug, Länder in die Kategorien imperialistisch und halbkolonial einzuteilen. Es gibt viele verschiedene Abstufungen. Das beginnt bereits bei den Unterschieden zwischen den Großmächten. Es gibt Großmächte wie die stärkste, die USA, doch auch andere, die wirtschaftlich stark sind, aber in den letzten Jahrzehnten militärisch viel schwächer waren (wie Japan oder Deutschland). Dann müssen wir differenzieren zwischen Großmächten und kleineren imperialistischen Ländern (wie Australien, Belgien, die Schweiz, die Niederlande, Österreich, die skandinavischen Länder etc.). Offensichtlich sind sie den Großmächten nicht ebenbürtig, sondern ihnen vielmehr untergeordnet. Diese kleineren imperialistischen Länder sind politisch und militärisch von einer oder mehreren Großmächten zu abhängig, um in der globalen imperialistischen Ordnung mitspielen zu können. Sie sichern ihre privilegierte Position durch wirtschaftliche, politische und militärische Bündnisse mit Großmächten wie EU, OECD, IWF, Weltbank, WTO, NATO und diverse “Partnerschaften”. Diese kleineren imperialistischen Länder werden jedenfalls nicht von den Großmächten überausgebeutet, sondern beteiligen sich vielmehr noch an der Überausbeutung der halbkolonialen Welt, indem sie sich einen beträchtlichen Teil des Werts aus den Halbkolonien aneignen.

 

Kurz, wir definieren einen imperialistischen Staat wie folgt: Ein imperialistischer Staat ist ein kapitalistischer Staat, dessen Monopole und Staatsapparat eine Position in der Weltordnung aufweisen, von der aus sie in erster Linie andere Staaten und Nationen dominieren. Als Ergebnis lukrieren sie Extraprofite und andere wirtschaftliche, politische und/oder militärische Vorteile aus einem solchen auf Überausbeutung und Unterdrückung basierenden Verhältnis. [7]

 

Ebenso muss auch zwischen verschiedenen Typen von Halbkolonien differenziert werden. Offensichtlich gibt es heute riesige Unterschiede zwischen Peru und Argentinien oder Brasilien, dem Kongo und Ägypten, Pakistan und der Türkei, Nepal und Thailand, Kasachstan und Polen. Einige Länder sind mehr industrialisiert als andere, manche haben eine gewisse politische Größe erreicht und andere nicht. Wir können also zwischen entwickelten oder industrialisierten Halbkolonien wie etwa Argentinien, Brasilien, Ägypten, der Türkei, Griechenland, dem Iran, Polen oder Thailand einerseits und ärmeren oder halbindustrialisierten Halbkolonien wie Bolivien, Peru, den Subsahara-Ländern Afrikas (außer Südafrika), Pakistan, Afghanistan, Indonesien etc. unterscheiden.

 

Nichtsdestotrotz darf nicht vergessen werden, dass diese verschiedenen Arten von Halbkolonien viel mehr Gemeinsames als Trennendes haben, wie schon Trotzki betont:

 

Die kolonialen und halbkolonialen, also rückständigen Länder, welche die bei weitem größere Hälfte der Menschheit ausmachen, unterscheiden sich außerordentlich stark voneinander nach dem Grad der Rückständigkeit und bilden eine historische Stufenleiter, die von der Nomadenexistenz oder sogar vom Kannibalismus bis zur modernsten industriellen Kultur reicht. Die Kombination dieser Extreme charakterisiert in der einen oder anderen Form jedes dieser rückständigen Länder. Doch ist die Hierarchie der Rückständigkeit, wenn dieser Ausdruck erlaubt ist, durch das spezifische Gewicht der Elemente von Barbarei und Kultur im Leben jedes dieser kolonialen Länder bestimmt. Äquatorialafrika bleibt weit hinter Algerien zurück, Paraguay hinter Mexiko, Abessinien hinter Indien oder China. Vor dem Hintergrund ihrer allgemeinen wirtschaftlichen Abhängigkeit von den Metropolen des Imperialismus hat die politische Abhängigkeit in manchen Fällen den Charakter einer offenen kolonialen Sklaverei, in anderen Fällen wird sie durch die Fiktion einer staatlichen Selbständigkeit verdeckt (China, Lateinamerika).[8]

 

Wir fassen unsere Definition der Halbkolonien in folgender Formel zusammen: Ein halbkoloniales Land ist ein kapitalistischer Staat, dessen Wirtschaft und Staatsapparat eine Position in der Weltordnung innehaben, in der sie in erster Linie von anderen Staaten und Nationen dominiert werden. Als Ergebnis erzeugen sie Extraprofite und ermöglichen aufgrund ihres auf Überausbeutung und Unterdrückung basierenden Verhältnisses den imperialistischen Monopolen und Staaten auch andere wirtschaftliche, politische und/oder militärische Vorteile.

 

 

 

I.2 Ist eine Entwicklung von einem Staatstyp zum anderen möglich?

 

 

 

Die Analyse und Aufteilung von Ländern in verschiedene Typen darf nicht dogmatisch, mechanistisch verstanden werden, sondern vielmehr auf marxistische, d.h. dialektische Weise. Lenin betonte bereits, dass Definitionen keine abstrakten Dogmen sind, sondern als elastische Kategorien betrachtet werden müssen: „…ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann “. [9]

 

Es wäre also falsch, sich die beiden Kategorien der imperialistischen und halbkolonialen Staaten als wie durch eine undurchdringliche Wand wie die Chinesische Mauer voneinander getrennt vorzustellen. Wie bei anderer Gelegenheit schon dargestellt, gibt es einige Beispiele für abhängige Länder, die sich unter besonderen Umständen zu einem imperialistischen Land entwickeln konnten ebenso wie umgekehrt. Der Hauptgrund dafür ist das Gesetz der ungleichzeitigen und kombinierten Entwicklung, das die verschiedenen Entwicklungsgeschwindigkeiten der Produktivkräfte in den verschiedenen Nationen und ihre Interaktion, die wiederum zu Instabilität, Zusammenbrüchen, Kriegen und Transformationen bestehender politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse führt, erklärt. [10] Daher ist es nur logisch, dass solche Entwicklungen neue kapitalistische Mächte ebenso wie den Niedergang alter Mächte hervorbringen können. [11]

 

Lenin selbst hat die Möglichkeit, dass rückständige halbkoloniale Länder ihren Klassencharakter verändern können, explizit hervorgehoben:

 

Am schnellsten wächst der Kapitalismus in den Kolonien und den überseeischen Ländern. Unter diesen Ländern entstehen neue imperialistische Mächte (Japan).[12]

 

Wie bereits an anderer Stelle betont gibt es verschiedene historische Beispiele für solche Transformationen. So gibt es das Beispiel der Tschechoslowakei - einst Kolonie des Habsburger Reichs, nach dessen Zusammenbruch 1918 eine kleinere imperialistische Macht. Ähnlich wurden Südkorea und Israel in den 1990ern zu imperialistischen Staaten, ebenso Russland und China im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. [13] Andererseits konnte Portugal in den letzten vier Jahrzehnten seinen imperialistischen Status seit dem Verlust seiner Kolonien 1974 wahrscheinlich nicht halten.

 

 

 

I.3 Ist die Kategorie “sub-imperialistisch” sinnvoll?

 

 

 

Eine Reihe fortschrittlicher TheoretikerInnen unterstützt die Konzeption eines “Übergangs-” oder “sub-imperialistischen” Staatstypus als dritte, zusätzliche Länderkategorie zu den Begriffen imperialistisch und halbkolonial. Wir haben unsere Kritik der Theorie des Sub-Imperialismus in Der große Raub des Südens dargelegt und bringen hier nur kurz einige Schlussfolgerungen. [14]

 

Wenn ein Staat einen Transformationsprozess von einem imperialistischen in ein halbkoloniales Land oder umgekehrt durchläuft, befindet er sich natürlich “im Übergang” und in diesem Sinn kann eine Begrifflichkeit nützlich sein, um einen vorübergehenden Prozess zu beschreiben. Die UnterstützerInnen der Theorie des Sub-Imperialismus verstehen diese Kategorie aber nicht als Beschreibung des Übergangsprozesses, sondern sehen sie als separate, unabhängige Kategorie. Und hier liegt das fundamentale Problem.

 

Der Kapitalismus vereint alle Nationen der Welt über die ökonomische und politische Ausdehnung und die Bildung eines Weltmarkts. Dieser Prozess findet seit dem Beginn der kapitalistischen Produktionsweise statt und hat sich in der Epoche des Imperialismus massiv beschleunigt. Unter diesen Bedingungen entkommt keine Nation dem Eingehen immer engerer wirtschaftlicher und politischer Bindungen mit den dominanten imperialistischen Mächten. Solch enge Beziehungen schaffen, verändern und reproduzieren automatisch Ausbeutungsmechanismen und Überausbeutung. Mit anderen Worten, im Kapitalismus – und noch mehr im Imperialismus – werden alle Nationen in den Prozess der Überausbeutung aufgesogen. Entweder sind sie stark genug und werden Teil der unterdrückenden Nationen oder sie werden ins Lager der Mehrheit der Menschheit – die unterdrückten Nationen – gedrängt. Es gibt kein “drittes Lager” dazwischen.

 

Natürlich gibt es wesentliche Unterschiede in der Entwicklung der Produktivkräfte zwischen den imperialistischen Staaten genauso wie zwischen den halbkolonialen Ländern. Das ist nur logisch angesichts der ungleichen Entwicklungsdynamik zwischen den Nationen. Es stimmt auch, dass es größere und kleinere imperialistische Länder gibt. Z.B. sind die USA und Kanada sicher nicht gleich, aber sie beuten einander nicht systematisch aus. Dasselbe gilt für Deutschland und Österreich oder Frankreich und Belgien, Luxemburg oder die Schweiz. Und doch sind sie alle imperialistische Nationen. Warum? Weil sie bedeutendes Monopolkapital und Finanzkapital geschaffen haben, das dazu verwendet wird, den Süden systematisch auszubeuten und Werte zu transferieren und sie Teil einer internationalen imperialistischen Ordnung sind, von der sie profitieren und die sie mit verschiedenen Mitteln verteidigen. Ebenso gibt es fortgeschrittene Halbkolonien, die einen gewissen regionalen Einfluss haben (z.B. Brasilien, Indien, Griechenland) und andere, die keinen haben; einige sind stärker, andere schwächer. Doch als MarxistInnen müssen wir das Wertgesetz im Blick behalten und den Werttransfer zwischen den Ländern und die politische Ordnung, die damit verknüpft ist. Und hier ist es offensichtlich, dass die industrialisierten Halbkolonien ebenso von den imperialistischen Monopolen dominiert und überausgebeutet werden. Aus diesem Grund sehen wir keine Nützlichkeit in der Kategorie des “Sub-Imperialismus” als Teil eines marxistischen Analyseapparats.

 



[1] Wir haben uns mit Lenins Imperialismustheorie in anderen Veröffentlichungen intensiv auseinandergesetzt. Siehe z.B. Michael Pröbsting: Lenin’s Theory of Imperialism and the Rise of Russia as a Great Power. On the Understanding and Misunderstanding of Today’s Inter-Imperialist Rivalry in the Light of Lenin’s Theory of Imperialism. Another Reply to Our Critics Who Deny Russia’s Imperialist Character, in: Revolutionary Communism No. 25, August 2014, http://www.thecommunists.net/theory/imperialism-theory-and-russia/; Michael Pröbsting: The Great Robbery of the South. Continuity and Changes in the Super-Exploitation of the Semi-Colonial World by Monopoly Capital Consequences for the Marxist Theory of Imperialism, 2013, http://www.great-robbery-of-the-south.net/; (Eine gekürzte deutsche Übersetzung wurde 2014 im PROMEDIA Verlag unter dem Titel Der Große Raub im Süden. Ausbeutung im Zeitalter der Globalisierung veröffentlicht.) Michael Pröbsting: Imperialism and the Decline of Capitalism (2008), in: Richard Brenner, Michael Pröbsting, Keith Spencer: The Credit Crunch – A Marxist Analysis (2008), http://www.thecommunists.net/theory/imperialism-and-globalization/ (in deutscher Sprache: Michael Pröbsting: Imperialismus, Globalisierung und der Niedergang des Kapitalismus; in: Revolutionärer Marxismus 39, 2009, http://www.thecommunists.net/theory/imperialismus-und-globalisierung/)

[2] In Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus – sein umfassendster theoretischer Aufsatz zum Imperialismus – nannte Lenin folgende Definition des Imperialismus:

Wir müssen mit einer möglichst genauen und vollständigen Definition des Imperialismus beginnen. Der Imperialismus ist ein besonderes historisches Stadium des Kapitalismus. Diese Besonderheit ist eine dreifache:

der Imperialismus ist: 1. monopolistischer Kapitalismus; 2. parasitärer oder faulender Kapitalismus; 3. sterbender Kapitalismus. Die Ablösung der freien Konkurrenz durch das Monopol ist der ökonomische Grundzug, das Wesen des Imperialismus. Der Monopolismus tritt in fünf Hauptformen zutage: 1. Kartelle, Syndikate und Trusts - die Konzentration der Produktion hat eine solche Stufe erreicht, daß sie diese monopolistischen Kapitalistenverbände hervorgebracht hat; 2. die Monopolstellung der Großbanken: drei bis fünf Riesenbanken beherrschen das ganze Wirtschaftsleben Amerikas, Frankreichs, Deutschlands; 3. die Besitzergreifung der Rohstoffquellen durch die Trusts und die Finanzoligarchie (Finanzkapital ist das mit dem Bankkapital verschmolzene monopolistische Industriekapital); 4. die (ökonomische) Aufteilung der Welt durch internationale Kartelle hat begonnen. Solcher internationalen Kartelle, die den gesamten Weltmarkt beherrschen und ihn „gütlich" unter sich teilen — solange er durch den Krieg nicht neu verteilt wird - , gibt es schon über hundert! Der Kapitalexport, als besonders charakteristische Erscheinung zum Unterschied vom Warenexport im nichtmonopolistischen Kapitalismus, steht in engem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen und der politisch-territorialen Aufteilung der Welt; 5. die territoriale Aufteilung der Welt (Kolonien) ist abgeschlossen.“ (W.I. Lenin: Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus (1916); in: LW Bd. 23, S. 102f [Hervorhebung im Original])

[3] W.I.Lenin: Das revolutionäre Proletariat und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen (1915); in: LW Bd 21, S. 416

[4] W.I.Lenin: Die sozialistische Revolution und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen (1916); in: LW Bd 22, S. 149

[5] W.I.Lenin: Konspekt zu Hegels “Wissenschaft der Logik” (1914); in: LW 38, S. 213

[6] Neben der intensiven Analyse in unserem Buch Der große Raub des Südens (s.o.) verweisen wir auch auf unsere Broschüre zur Überausbeutung von MigrantInnen: Michael Pröbsting: Marxismus, Migration und revolutionäre Integration (2010); in: Revolutionärer Kommunismus, Nr. 7, http://www.thecommunists.net/publications/werk-7

[7] Wir halten eine solche Definition eines imperialistischen Staats für übereinstimmend mit der kurzen Definition, die Lenin in einer seiner Schriften zum Imperialismus 1916 festhielt: „… imperialistischen (d. h. eine ganze Reihe fremder Völker unterdrückenden und sie in das Netz der Abhängigkeit vom Finanzkapital verstrickenden usw.) Großmächten … (W. I. Lenin: Über eine Karikatur auf den Marxismus und über den “imperialistischen Ökonomismus” (1916); in: LW Bd 23, S. 24f)

[8] Leo Trotzki: Revolution und Krieg in China. Vorwort zu Harold R. Isaacs' The Tragedy of the Chinese Revolution, in: Trotzki Schriften 2.2, Hamburg 1990, S. 911

[9] W.I.Lenin: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus; in: LW 22, S. 270

[10] Zum Gesetz der ungleichzeitigen und kombinierten Entwicklung siehe u.a. Leo Trotzki: Die permanente Revolution (1930), Frankfurt a. M. 1971; Michael Pröbsting: Capitalism Today and the Law of Uneven Development: The Marxist Tradition and its Application in the Present Historic Period, in: Critique Vol. 44, No. 4, pp. 363–403 (2016).

[11] Das Thema des Erscheinens neuer imperialistischer Mächte wurde von uns bereits intensiv behandelt. Siehe dazu z.B.:

Zu China als aufsteigende imperialistische Macht:

Michael Pröbsting: Der Große Raub im Süden (Kapitel 8), http://www.great-robbery-of-the-south.net/great-robbery-of-south-online/download-chapters-1/chapter10/; Michael Pröbsting: China‘s transformation into an imperialist power. A study of the economic, political and military aspects of China as a Great Power, in: Revolutionary Communism (English-language Journal of the RCIT) No. 4, http://www.thecommunists.net/publications/revcom-number-4; Michael Pröbsting: No to chauvinist war-mongering by Japanese and Chinese imperialism! Chinese and Japanese workers: Your main enemy is at home! Stop the conflict on the Senkaku/Diaoyu-islands in the East China Sea! 23.9.2012, in: Revolutionary Communism No. 6, http://www.thecommunists.net/worldwide/asia/no-war-between-china-and-japan/; Michael Pröbsting: Russia and China as Great Imperialist Powers. A Summary of the RCIT’s Analysis, 28 March 2014, in: Revolutionary Communism No. 22, http://www.thecommunists.net/theory/imperialist-china-and-russia/; Michael Pröbsting: More on Russia and China as Great Imperialist Powers. A Reply to Chris Slee (Socialist Alliance, Australia) and Walter Daum (LRP, USA), 11 April 2014, in: Revolutionary Communism No. 22, http://www.thecommunists.net/theory/reply-to-slee-on-russia-china/; Michael Pröbsting: The China Question and the Marxist Theory of Imperialism. Again on China as an imperialist Power. Reply to a Polemic from CSR (Venezuela) and PCO (Argentina), December 2014, in: Revolutionary Communism No. 32, http://www.thecommunists.net/theory/reply-to-csr-pco-on-china/

Zu Russland als aufsteigende imperialistische Macht:

Michael Pröbsting: Russland als imperialistische Großmacht, in: Revolutionärer Kommunismus Nr. 12 (2014), http://www.thecommunists.net/publications/revkom-12/; Michael Pröbsting: Lenin’s Theory of Imperialism and the Rise of Russia as a Great Power. On the Understanding and Misunderstanding of Today’s Inter-Imperialist Rivalry in the Light of Lenin’s Theory of Imperialism. Another Reply to Our Critics Who Deny Russia’s Imperialist Character, in: Revolutionary Communism No. 25, August 2014, http://www.thecommunists.net/theory/imperialism-theory-and-russia/

[12] W.I.Lenin: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (1916); in: LW Bd. 22, S. 279

[13] Wir haben Südkoreas Transformation in eine kleiner imperialistische Macht analysiert in Michael Pröbsting: Der kapitalistische Aufholprozeß in Südkorea und Taiwan; in: Revolutionärer Marxismus Nr. 20 (1996), http://www.thecommunists.net/theory/kapitalismus-in-suedkorea-taiwan/. Zu Israel als kleinere imperialistische Macht siehe Michael Pröbsting: Zu einigen Fragen der zionistischen Unterdrückung und der permanenten Revolution in Palästina, http://www.thecommunists.net/theory/permanente-revolution-in-pal%C3%A4stina/

[14] Siehe Michael Pröbsting: The Great Robbery of the South, S. 220-228. Siehe http://www.great-robbery-of-the-south.net/great-robbery-of-south-online/download-chapters-1/chapter9/