Kapitel II. Die revolutionäre Partei und ihre Merkmale

 

 

Das kommunistische Konzept einer Avantgardepartei wurde nach den Erfahrungen der Bolschewiki und ihrer Verallgemeinerung durch die Komintern und Trotzkis Vierte Internationale formuliert. Die Komintern betonte, dass RevolutionärInnen immer die konkreten Umstände mit einbeziehen müssen.

 

Die Organisation der Partei muß den Bedingungen und dem Zweck ihrer Tätigkeit angepaßt sein. (…) Es kann keine absolut richtige, unveränderliche Organisationsform für die kommunistischen Parteien geben. Die Bedingungen des proletarischen Klassenkampfes sind in einem unaufhörlichen Verwandlungsprozeß Änderungen unterworfen und diesen Änderungen entsprechend soll auch die Organisation der Avantgarde des Proletariats dauernd nach zweckmäßigen Formen suchen. Gleichfalls werden durch die historisch bestimmte Eigenart jedes einzelnen Landes besondere Anpassungsformen für die Organisation der einzelnen Parteien bedingt.[1]

 

Es macht natürlich einen großen Unterschied, ob eine revolutionäre Partei in der Illegalität im Untergrund arbeiten muss oder ob sie Bedingungen relativ stabiler bürgerlicher Demokratie erlebt; ob sie in einer revolutionären, nicht revolutionären oder konterrevolutionären Situation tätig ist; ob sie Vertreter in der Gewerkschaftsführung oder im Parlament hat; ob sie Entrismusarbeit innerhalb einer reformistischen Partei leistet; ob sie groß oder klein ist; usw.

 

Doch die Notwendigkeit, die konkreten Umstände mit einzubeziehen, ändert nichts an der Tatsache, dass KommunistInnen die Partei oder ihre Vorformen auf Grundlager einer Reihe von Prinzipien aufbauen müssen. „Die trotz aller Eigenart existierende Gleichheit in den Bedingungen des proletarischen Klassenkampfes in den verschiedenen Ländern und in den verschiedenen Phasen der proletarischen Revolution ist für die internationale kommunistische Bewegung von grundlegender Bedeutung. Sie ergibt die gemeinsame Grundlage für die Organisation der kommunistischen Parteien aller Länder.[2]

 

Im Folgenden werden die wichtigsten Grundsätze der bolschewistisch-kommunistischen Konzeption der Avantgarde-Partei zusammengefasst. Diese Grundsätze sind für die revolutionäre Partei ebenso anzuwenden wie für bolschewistische Parteiaufbauorganisationen, wenn auch mit manchen Abänderungen, wie wir zeigen werden. Wenn von den Grundsätzen der Partei die Rede ist, ist also immer – sofern nicht eigens hervorgehoben – auch die Parteiaufbauorganisation mitgemeint.

 

 

 

Einheit von Theorie und Praxis

 

 

 

Die zugrundelegende Methode der Parteiarbeit ist das marxistische Prinzip der Einheit von Theorie und Praxis. Das eine kann ohne das andere nicht existieren. Die Theorie verweist auf die Praxis – ansonsten ist sie nur ein lebloses Dogma. Und die Praxis verweist auf die Theorie – ansonsten ist sie blinder Aktivismus ohne strategische Ausrichtung.

 

Tatsächlich würde Theorie ohne (vergangene) Praxis nicht existieren. Mit anderen Worten ist Theorie verallgemeinerte erlebte Vergangenheit, wie Trotzki einst formulierte:

 

"Läßt man sich von der Theorie leiten, so heißt das, daß man sich von der Verallgemeinerung der gesamten bisherigen Praxis der Menschheit leiten läßt, um eine bestimmte praktische Aufgabe der Gegenwart möglichst gut zu bewältigen. Vermittelt durch Theorie, erweist sich so das ‚Primat’ der Praxis insgesamt gegenüber den Teilpraktiken." [3]

 

Daraus folgt, dass der Charakter der marxistischen Theorie gemäß den Bedürfnissen der Praxis strukturiert und konzeptualisiert sein muss und gleichzeitig die Praxis von der Theorie geleitet werden muss. Ein solch dialektisch-materialistischer Zugang zum Verhältnis zwischen Theorie und Praxis ist der einzige Weg, um sich ein korrektes Verständnis bezüglich der Aufgaben der Partei anzueignen.

 

Abraham Deborin, der führende marxistische Philosoph der UdSSR in den 1920ern vor dem stalinistischen Umbruch, formulierte die Beziehung zwischen Theorie und Praxis sehr gut.

 

„Um die Wirklichkeit umzugestalten, ist es notwendig, daß die Theorie selbst Wirklichkeit werde, daß sie aktiv-schöpferische Kraft sei, daß, mit einem Wort, die Theorie Praxis werde. Der Marxismus ist eine solche von allen anderen abweichenden Theorie, eine philosophische Weltanschauung, die die Umkehrung der Praxis zur Theorie und der Theorie in die Praxis fordert. Der Marxismus kennt keine Trennung zwischen Theorie und Praxis. Die dialektische Einheit von Theorie und Praxis erfordert, daß die Theorie praktisch sei und daß die Praxis durch die Theorie erklärt, und selbst zur Theorie werde.“ [4]

 

Ähnlich bezeichnete Ivan K. Luppol, ein weiterer einflussreicher sowjetischer Philosoph der Schule Deborins, die dialektisch-materialistische Methode in seinem Buch zu Lenins Philosophie als die „Methodologie des Wissens auf der Grundlage des Handelns und Methodologie des Handelns auf der Grundlage des Wissens.[5]

 

Schließlich ist die Einheit von Theorie und Praxis wesentlich für die gesamte Arbeits- und Existenzweise der revolutionären Partei bzw. ihrer Vorform, um ein Kollektiv von AktivistInnen der ArbeiterInnenklasse zu bilden, die passiven Propagandismus ablehnen, und gleichzeitig ideologisch gestählt die korrekte Ausrichtung unter Bedingungen des Kampfes und Drucks seitens des Klassenfeinds wie auch innerhalb der ArbeiterInnenbewegung zu finden. Leo Trotzki formulierte diese grundlegende Wahrheit in einem Brief an die spanische Jugend 1932:

 

Die Stärke des Marxismus liegt in der Einheit von wissenschaftlicher Theorie und revolutionärem Kampf. Diese beiden Dinge sollten für die Erziehung der kommunistischen Jugend maßgeblich sein. Das Studium des Marxismus außerhalb des revolutionären Kampfes kann Bücherwürmer, aber keine Revolutionäre hervorbringen. Teilnahme am revolutionären Kampf ohne das Studium des Marxismus muß unvermeidlich Gefahr, Unsicherheit, starke Kurzsichtigkeit mit sich bringen. Man kann den Marxismus als ein Marxist nur durch Teilnahme an Leben und Kampf der Klasse studieren; revolutionäre Theorie wird durch die Praxis bestätigt, und die Praxis durch die Theorie erhellt. Nur diejenigen Wahrheiten des Marxismus, die im Kampf erobert werden, gehen in Fleisch und Blut über.[6]

 

Und der alte Gefährte von Marx und Engels, Wilhelm Liebknecht, fasste die Aufgabe der revolutionären Partei in der Formel “studieren, propagieren, organisieren” gut zusammen.

 

 

 

Die Hingabe der Parteimitglieder

 

 

 

Einheit von Theorie und Praxis bedeutet zuerst, dass die AktivistInnen nicht nur mit den Zielen ihrer Partei übereinstimmen, sondern auch für diese mit allen Mitteln, die die Organisation für notwendig erachtet, kämpfen. Das heißt, dass die totale Hingabe der AktivistInnen gefordert ist: "Die Revolution verlangt die vollständige Hingabe des Menschen.”[7]

 

Eine Organisation, der es an dieser Voraussetzung der völligen Hingabe ihrer Mitglieder für die revolutionäre Arbeit mangelt, ist für die Sache des proletarischen Befreiungskampfs von vornherein verloren. Mit einer solchen Organisation ist jede Übereinkunft über ein Programm oder eine theoretische Analyse bedeutungslos, weil sie ein bloßes abstraktes Teilen der Sichtweise ohne jede Konsequenz in der Praxis bliebe. Die ParteiaktivistInnen müssen imstande sein, allen Formen von Druck seitens politischer Feinde und “sozialistischer” Gegner zu widerstehen. Nicht zufälligerweise wurden die Bolschewiki als “die Felsenfesten” bezeichnet und nannten sich auch selbst so. [8]

 

Ein entscheidendes Kriterium zur Unterscheidung einer revolutionär-proletarischen von einer kleinbürgerlichen Partei ist die Haltung ihrer Mitglieder zu den politischen und praktischen Forderungen des Befreiungskampfes. Trotzki drückte das in einer Rede zur Gründung der Vierten Internationale eindrucksvoll aus:

 

Unsere Partei fordert jeden von uns total und vollständig. Laßt die Philister ihre eigene Individualität in einen leeren Raum jagen. Sich vollständig der Partei zu geben, bedeutet für einen Revolutionär, sich selbst zu finden. Ja, unsere Partei ergreift jeden von uns ganz. Aber umgekehrt gibt sie jedem von uns größtes Glück: das Bewußtsein, daß wir an dem Aufbau einer besseren Zukunft beteiligt sind, daß wir einen Teil des menschlichen Schicksals auf unseren Schultern tragen und daß unser Leben nicht umsonst gelebt sein wird. Die Treue gegenüber der Sache der Arbeiter erfordert von uns höchste Ergebenheit gegenüber der internationalen Partei. Die Partei kann natürlich auch irren. Aber durch gemeinsame Anstrengungen werden wir ihre Fehler korrigieren. Unwürdige Elemente können in ihre Reihen eindringen. Durch gemeinsame Anstrengungen werden wir sie entfernen. Tausende, die morgen in unsere Reihen eintreten, wird wahrscheinlich die notwendige Erziehung fehlen. Durch gemeinsame Anstrengungen werden wir ihr revolutionäres Niveau heben. Aber wir werden niemals vergessen, daß unsere Partei jetzt den größten Hebel der Geschichte darstellt. Getrennt von ihr, ist jeder von uns nichts; mit ihr in der Hand, sind wir alles.[9]

 

Bei anderer Gelegenheit erklärte er einem sympathisierenden Anwalt, der sich nicht zur völligen Ergebenheit gegenüber der Revolution entschließen konnte:

 

Ich sagte zu mir selber, nachdem ich sie aus nächster Nähe beobachtet habe, daß Genossen Revolutionäre sind oder solche bekommen können, die zu solchen Initiativen und zu solchen persönlichen Opfern bereit sind. Denn es ist auf diesem Weg, Genosse Paz, daß Revolutionäre geformt werden. Man kann Revolutionäre haben, die erfahren sind oder unwissend, intelligent oder dumm. Aber es gibt keine Revolutionäre, denen der Wille fehlt, Hindernisse zu zerschlagen, denen die Hingabe und die Einstellung fehlt, Opfer zu bringen. (…) Ich möchte hier nicht auf die Geschichte der russischen Partei in der Zeit der Illegalität eingehen. Die Person, die zur Bewegung gehörte, gehörte ihr nicht nur mit ihren materiellen Mitteln, sondern mit Körper und Seele. Er oder sie identifizierte sich offen mit der Sache und durch einen solchen Prozeß der Erziehung waren wir in der Lage, Kämpfer herauszubilden, die die zahlreichen „Äxte“ der proletarischen Revolution wurden.[10]

 

Gerard Rosenthal, einer der französischen Mitstreiter Trotzkis, berichtete in seinen Memoiren, dass Trotzki vom Mangel an revolutionärer Hingabe bei den westlichen SozialistInnen irritiert war:

 

Trotzki’s Hauptinteresse galt des menschlichen Qualitäten eines Revolutionärs: ‚Wir können die Revolution nur mit Menschen durchführen und gewinnen, die sich ganz und ganz dem Kampf widmen. Bei den russischen Revolutionären war das Privatleben konsequent den Erfordernissen des politischen Kampfes untergeordnet.’ Kontakte mit westlichen Genossen hatten ihn enttäuscht: ‚Mit Menschen, die an die erste Stelle ihr Berufsleben, dann ihre Familie und zuletzt die Revolution setzten, ist an eine Revolution nicht zu denken.’[11]

 

James P. Cannon, der historische Führer des amerikanischen Kommunismus und später Trotzkismus, fasste den marxistischen Zugang in einer Schrift, die als Zusammenfassung des Fraktionskampfs gegen die kleinbürgerliche innerparteiliche Opposition um Max Shachtman herausgegeben wurde, zusammen:

 

“Für uns muß die Partei eine Kampforganisation sein, die einen entschlossenen Kampf um die Macht führt. Die bolschewistische Partei, die den Kampf um die Macht führt, braucht nicht nur interne Demokratie. Sie benötigt ebenso dringend Zentralismus und eiserne Disziplin in der Aktion. (...) Sie (die Führungsgenossen, d.A.) widmen sich ausschließlich der Partei und finden in der Partei und ihren vielfältigen Aktivitäten im proletarischen Bereich völlig persönliche Erfüllung. Für den proletarischen Revolutionär ist die Partei der konzentrierte Ausdruck seines Lebenszweck. Er ist ihr auf Leben und Tod verbunden. Er tritt bedingungslos für die Partei ein, weil er weiß, daß seine sozialistischen Ideale ohne die Partei nicht verwirklicht werden kann. Untreue und Verantwortungslosigkeit gegenüber der Partei ist in seinen Augen das größte aller Verbrechen. Der proletarische Revolutionär ist stolz auf seine Partei. Er verteidigt sie unablässig nach außen. Der proletarische Revolutionär ist diszipliniert, weil die Partei als Kampforganisation ohne Disziplin nicht bestehen kann. Befindet er sich selbst in der Minderheit, dann unterwirft er sich loyal den Beschlüssen der Partei und führt sie aus. Er wartet auf neue Ereignisse, die seine Ansichten bestätigen, oder eine andere Gelegenheit, um die Diskussion neu zu eröffnen.” [12]

 

Dieses Thema ist in der imperialistischen Welt von besonderer Wichtigkeit angesichts der wenigen revolutionären Situationen und Traditionen. Trotzki, der die revolutionäre ArbeiterInnenbewegung in Russland mit ihren Pendants im Westen vergleichen konnte, sah den Mangel solch revolutionärer Hingabe als zentrale Schwäche der westlichen sozialistischen Kräfte. Aus Anlass des Todes des alten bolschewistischen Kämpfers Kote Tsintsadze wies Trotzki auf dieses Problem hin:

 

Die kommunistischen Parteien im Westen haben bisher keine Kämpfer vom Typ Tsintsadze hervorgebracht. Das ist ihre große Schwäche, verursacht durch historische Gegebenheiten, aber nichtsdestotrotz eine Schwäche. Die Linke Opposition in den westlichen Ländern ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme und sie muss sich dessen sehr bewusst sein.”[13]

 

Wenn Trotzki über den Mangel an revolutionären KämpferInnen in Westeuropa 1920 besorgt war, was würde er heute sagen, wo es viel weniger revolutionäre Situationen als zu seinen Lebzeiten gibt und damit viel weniger Gelegenheiten zur Heranbildung einer Generation hingebungsvoller kommunistischer AktivistInnen? Die sogenannte Linke ist voller AktivistInnen, die selten auf ihr persönliches Wohlbefinden und Karriere vergessen. Es ist eine der dringlichsten Aufgaben, eine neue Generation kommunistischer KämpferInnen hervorzubringen, die sich der revolutionären Arbeit voll und ganz widmen.

 

Diese Entwicklung wurde vom enormen Wachstum der städtischen Mittelschicht und Arbeiteraristokratie in den imperialistischen Ländern und durch die Orientierung der meisten zentristischen Organisationen auf diese und auf die mit ihnen verwandten Schichten sowie auf jene, die darauf hoffen, sich ihr anzuschließen, verstärkt (Universitätsstudenten, Intellektuelle, gut ausgebildete Bereiche der ArbeiterInnenklasse etc.). Als Ergebnis haben die meisten zentristischen und reformistischen Organisationen in Europa und den USA – vor allem ihre Führungen – eine erschreckende Klassenzusammensetzung, d.h. sie sind von Leuten mit einem Hintergrund aus dem fortschrittlichen weißen und Mittelschichtsmilieu dominiert. Eine solche Orientierung beginnt meist früh, während der Studienzeit, wenn jene, die sich einer professionellen Karriere verweigern, als Außenseiter betrachtet werden.

 

Dieser “europäische Typ des Revolutionärs” hat sich in den letzten Jahrzehnten in verschiedenen StudentInnenbewegungen herausgebildet, die das Hauptrekrutierungsfeld für die zentristischen und reformistischen Kräfte sind. Ihre Klassenzusammensetzung wurde nicht durch eine Orientierung auf die unteren Schichten der ArbeiterInnenklasse und Unterdrückten korrigiert.

 

Das Ergebnis davon ist personifiziert in Linksintellektuellen wie Tariq Ali, Henri Weber, André Gorz und Robin Blackburn, die alle für eine gewisse Zeit eine Berufskarriere mit “marxistischer” Politik verbanden, bevor sie ihren Aktivismus völlig aufgaben. Eine revolutionäre Bewegung kann nicht auf solch verdorbenen Elementen aufbauen. Es ist eine der vordringlichsten Aufgaben, eine neue Generation kommunistischer KämpferInnen zu bilden, die sich der revolutionären Arbeit voll und ganz widmen und die von jenen, die behaupten, “das System von innen zu bekämpfen”, indem sie die Karriereleiter hinaufsteigen, abgestoßen sind.

 

 

 

Das Programm zuerst

 

 

 

Zuerst und vor allem braucht die Partei ein klares Verständnis ihrer theoretischen Grundlage und, beruhend darauf, ein revolutionäres Programm. Ohne Programm hat sie keinen politischen Kompass, keine politische Ausrichtung. Lenin stellte bekanntlich bereits 1902 fest: “Ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre Bewegung geben.” [14]

 

Ein Programm beinhaltet eine Analyse der kapitalistischen Gesellschaft in einer gegebenen politischen Periode, eine Festlegung der allgemeinen sozialistischen Ziele, einen Umriss der Strategie für das Proletariat sowohl für die Machtübernahme wie auch für die wichtigsten Taktiken und Forderungen. Ein Programm muss, wie es die Komintern und die Vierte Internationale nannten, ein “Übergangsprogramm” sein, d.h. ein Programm, das den Weg von der gegenwärtigen Situation bis zur Machtergreifung aufzeigt. In Diskussionen mit GesinnungsgenossInnen erklärte Trotzki die Wichtigkeit eines solchen Programms:

 

"Was ist nun die Partei? Worin besteht ihr Zusammenhalt? Dieser Zusammenhalt ist das gemeinsame Verständnis der Ereignisse, der Aufgaben; und dieses gemeinsame Verständnis - das ist das Programm der Partei. Ebenso wie moderne Arbeiter – noch weniger als die Barbaren – nicht ohne Werkzeug arbeiten können, so ist in der Partei das Programm das Instrument. Ohne das Programm muss jeder Arbeiter sein Werkzeug improvisieren, improvisierte Werkzeuge suchen und eines widerspricht dann dem anderen. Nur wenn wir die Avantgarde auf Grundlage einer gemeinsamen Konzeption organisiert haben, dann können wir handeln" [15]

 

Marx und Engels schrieben das Kommunistische Manifest, das erste wissenschaftliche sozialistische Programm, kurz nachdem sie sich 1847 dem Kommunistischen Bund angeschlossen hatten. Die Zweite Internationale hatte wichtige nationale Programme, das deutsche “Erfurter Programm” oder das französische Programm, geschrieben von Marx. Auch die russischen MarxistInnen verabschiedeten 1903 ein durchdachtes Programm und als sich die Umstände 1917 änderten, schrieb Lenin die sogenannten “April-Thesen” als eine Art Alternativprogramm für die revolutionäre Periode vor dem Oktober 1917. Im März 1919 änderte die Partei ihr Programm offiziell und passte es den neuen Gegebenheiten an. Dieses Programm war eine Richtlinie für die Komintern und ihre programmatischen Resolutionen von 1919 bis 1922. Bald nachdem der Vierte Weltkongress 1922 den Beschluss gefasst hatte, ein Programm zu erarbeiten, degenerierte die Komintern unter dem Gewicht der stalinistischen Bürokratie und das Projekt wurde verschoben und letztlich 1928 durch ein zentristisch stalinistisches Programm ersetzt. Es blieb Trotzkis Vierter Internationale vorbehalten, 1938 – nach einer Reihe von Resolutionen und programmatischen Dokumenten in den Jahren davor – ein kommunistisches Programm auf Grundlage der Übergangsmethode zu verfassen.

 

Nur wenn KommunistInnen sich auf Grundlage solch revolutionärer Theorie und revolutionären Programms stellen, werden sie konkrete und flexible Taktiken entwickeln können.

 

Der Marxismus ist eine Methode der historischen Analyse, der politischen Orientierung – nicht eine Ansammlung von Beschlüssen, die auf Vorrat produziert wurden. Der Leninismus ist die Anwendung dieser Methode unter den Bedingungen einer besonderen Epoche. Gerade aus der Kombination der Besonderheiten der Epoche mit dieser Methode erwuchs die mutige, reife, auf sich selbst vertrauende Politik scharfer Wendungen, die Lenin so meisterhaft beherrschte und die er theoretisch erhellt und verallgemeinert hat. [16]

 

Es ist ein Merkmal des Zentrismus, dass er sich der Erarbeitung eines Programms, das seine Prinzipien wie auch ihre Anwendung in einer konkreten politischen Lage zusammenfasst, verweigert. Als Ergebnis bestehen alle größeren zentristischen Strömungen (Morenoisten, CWI, IMT, IST usw.) seit Jahrzehnten ohne Programm. Der verstorbene Tony Cliff, einer der Helden des angelsächsischen Pragmatismus unter dem Deckmantel des “Trotzkismus”, entschuldigte seine Ablehnung der Erarbeitung eines Programms gern mit der Behauptung, “es ist besser, eine Waffe als den Plan einer Waffe zu haben”. Letztlich hatte die SWP/IST weder eine Waffe noch einen Plan. Als sie sich scharfen Klassenkampfsituationen gegenüber sahen, schafften sie es wiederholt nicht, eine klare revolutionäre Position einzunehmen, sondern kapitulierten vor den Klassenfeinden (z.B. keine Verteidigung der halbkolonialen Länder wie Argentinien 1982, Irak 1991 und 2003 oder Afghanistan 2001 gegen imperialistische Angriffe; kein Aufruf für einen Generalstreik während des wichtigen britischen BergarbeiterInnenstreiks 1984/85; keine Verteidigung des degenerierten ArbeiterInnenstaats gegen den Imperialismus wie Korea 1950-53 usw.).

 

Manchmal rechtfertigen Zentristen ihre Verweigerung der Programmarbeit für die aktuelle Periode mit dem Hinweis auf Trotzkis Programm von 1938 als ausreichende Grundlage. Diese “MarxistInnen” verstehen nicht, dass ein Programm die Anwendung der Lehre des Klassenkampfes auf eine konkrete politische Situation mit einer Reihe von Strategien und Taktiken ist, um der Arbeiteravantgarde eine klare Orientierung zu geben. Wenn sich das Kräfteverhältnis zwischen den Klassen ändert und sich eine neue politische Lage eröffnet – was üblicherweise von entscheidenden Ereignissen in der nationalen oder internationalen Politik verursacht wird –, müssen MarxistInnen das Programm den neuen Bedingungen anpassen. Ansonsten kann das Programm nicht als Handlungsrichtlinie funktionieren, sondern ist eine leblose, sektiererische Darlegung zeitloser Dogmen.

 

Wie Trotzki in Zusammenfassung der Lehren aus der gescheiterten Deutschen Revolution von 1923 warnte, wird eine Partei, die mit den Entwicklungen des Klassenkampfs nicht Schritt hält, ihre programmatische Klarheit verlieren und, unwillkürlich, zu einem Instrument der nichtproletarischen Klassenkräfte werden.

 

Die revolutionäre Partei befindet sich unter dem Druck fremder politischer Kräfte; in jeder Periode ihres Bestehens entwickelt sie andere Mittel, diesen Kräften zu widerstehen und sich ihnen entgegenzusetzen. Bei einer taktischen Neuorientierung und den damit verbundenen inneren Reibungen schwindet die Kraft, sich den zerstörenden äußeren Kräften zu widersetzen. Es besteht daher die Gefahr, daß innere Umgestaltungen der Partei, die im Hinblick auf die Notwendigkeit der taktischen Neuorientierung entstehen, über das Ziel hinauswachsen und verschiedenen Klassentendenzen als Stützpunkt dienen. Einfacher ausgedrückt: eine Partei, die mit den historischen Aufgaben ihrer Klasse nicht Schritt hält, läuft Gefahr, zum indirekten Werkzeug anderer Klassen zu werden oder wird es auch tatsächlich.[17]

 

Eine Vorbedingung für die politische Gesundheit einer Partei ist der Kampf gegen Strömungen innerhalb der Organisation, die nichtproletarische Klassenkräfte reflektieren und die das Parteiprogramm und ihre Methode angreifen. Natürlich werden in jeder gesunden Organisation, die sich nicht vom lebenden Klassenkampf abkapselt, Differenzen vorhanden sein. Solche Differenzen können auf die eine oder andere Weise opportunistische oder sektiererische Tendenzen ausdrücken, die den Druck anderer Klassen wiedergeben. [18] Die Partei und ihre Führung dürfen jedoch gegenüber solchen Entwicklungen nicht passiv bleiben. Sie muss proaktiv handeln und jene Mitglieder, die solche Abweichungen verkünden, zu überzeugen versuchen und zumindest sicherstellen, dass sie keinen dominanten Einfluss innerhalb der Partei gewinnen. Das ist besonders wichtig in den frühen Phasen des Parteiaufbaus, wo programmatische Klarheit eines der Schlüsselelemente zur Gewinnung von AktivistInnen aus der ArbeiterInnenavantgarde ist. Trotzki bemerkte dazu:

 

Philister werden darüber kichern, daß wir, eine kleine Minderheit, uns ununterbrochen mit inneren Abgrenzungen beschäftigen. Das wird uns nicht beirren. Gerade weil wir eine kleine Minderheit sind, deren ganze Kraft in theoretischer Klarheit besteht, müssen wir uns erbarmungslos gegen die zweifelhaften Freunde von rechts und links wenden.[19]

 

MarxistInnen lehnen das aktuell moderne Modell einer “pluralistischen linken Partei”, die auf eine solche programmatische Klarheit verzichtet, “um größer zu werden”, ab. Solch faule Methoden waren charakteristisch für die sozialdemokratische Zweite Internationale und führten zum vorherrschenden Einfluss des reformistischen Flügels und der Kapitulation der Partei vor dem Druck des Imperialismus. Lenin und die Bolschewiki betrachteten das als eine der Schlüssellehren ihres Kampfs und des Scheiterns der Zweiten Internationale zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914.

 

Der Typus der sozialistischen Parteien in der Epoche der II. Internationale war die Partei, die in ihrer Mitte einen Opportunismus duldete, der sich in den Jahrzehnten der „friedlichen" Periode immer mehr ausbreitete, aber im Verborgenen blühte, der sich den revolutionären Arbeitern anpasste, von ihnen ihre marxistische Terminologie übernahm und jeder klaren, prinzipiellen Abgrenzung aus dem Wege ging. Dieser Typus hat sich überlebt.”[20]

 

In einem anderen Artikel hielt Lenin fest: “Es gibt nichts Abgeschmackteres, nichts Verächtlicheres und Schädlicheres als die landläufige Idee der revolutionären Philister: die Differenzen „im Hinblick" auf die nächste gemeinsame Aufgabe in der beginnenden Revolution zu ‚vergessen’. Wen die Erfahrung des Jahrzehnts von 1905 bis 1914 nicht von der Dummheit dieser Idee überzeugt hat, der ist für die Revolution rettungslos verloren.”[21]

 

Die Aufgabe von MarxistInnen ist nicht, so viele ArbeiterInnen wie möglich ungeachtet ihrer politischen Ansicht zu sammeln, sondern so viele ArbeiterInnen wie möglich um ein revolutionäres Programm zu scharen.

 

In Lenins Schule haben wir alle gelernt, daß ein Bolschewik die Einheit auf der Grundlage einer proletarisch-revolutionären Linie anstreben muß. [22]

 

 

 

Propaganda und Agitation

 

 

 

Programmarbeit ist für sich genommen kein Ziel. Sie ist ungenügend, wenn sie nicht an die ArbeiterInnenklasse und ihre Avantgarde übermittelt wird, um sie zu bilden und in den Reihen der Partei zu organisieren. Eine der wesentlichsten Aktivitäten der revolutionären Partei ist daher die systematische Verbreitung ihrer Kampfziele und –methoden, wie sie in der marxistischen Theorie und ihrem Programm herausgearbeitet sind. Das wird üblicherweise mit den Mitteln der Propaganda und Agitation in der Zeitung der Organisation, ihren Flugblättern, öffentlichen Reden etc. bewerkstelligt. Plechanow, der Vater des russischen Marxismus, definierte Propaganda als “viele Ideen für ein paar” und Agitation als “ein paar Ideen für viele”. Mit anderen Worten erklärt Propaganda detailliert die verschiedenen Aspekte der marxistischen Analyse, Taktik und notwendigen Aktionen für ein bestimmtes Thema. Agitation andererseits konzentriert sich auf einen oder ein paar wenige Aspekte eines Themas und zieht daraus die für MarxistInnen relevanten Schlüsse.

 

Das zugrundeliegende Prinzip für das marxistische Programm wie auch für Propaganda und Agitation ist “sagen was ist”. Das heißt, dass MarxistInnen die Wahrheit nicht verbergen dürfen, um Reformisten nicht zu verschrecken oder das rückständige Bewusstsein der Massen herauszufordern. Trotzki fasste diesen Anspruch gut zusammen, als er schrieb: Ich glaube, daß die marxistische, die revolutionäre Politik im Allgemeinen eine sehr einfache ist: ‚Die Wahrheit aussprechen! Nicht lügen! Die Wahrheit sagen!‘ Das ist eine sehr einfache Politik.“ [23] Ähnlich meinte Rosa Luxemburg in einer Rede auf dem Internationalen Sozialistenkongreß in Amsterdam 1904:Und nichts ist revolutionärer, als zu erkennen und auszusprechen, was ist.[24]

 

Natürlich sind taktische Flexibilität und pädagogische Anpassung ebenso wichtig in der täglichen revolutionären Arbeit. Doch das darf nicht zur Verwässerung, Verbergung oder sogar zum Gegensatz zu marxistischen Prinzipien führen.

 

Das Unglück besteht darin, daß die Epigonen der bolschewistischen Strategie den jungen kommunistischen Parteien als deren Quintessenz das Manövrieren und die Flexibilität anempfehlen, losgelöst von ihrem historischen Ursprung und von ihren prinzipiellen Grundlagen, so daß daraus ein prinzipienlosen Kombinieren wird, das allzuhäufig einem Leerlauf ähnelt. Nicht Flexibilität war was das Hauptcharakteristikum des Bolschewismus, nicht Flexibilität darf es heute sein, sondern seine Unbeugsamkeit. Gerade auf seine Unbeugsamkeit, die ihm seine Feinden und Gegnern vorwarfen, war der Bolschewismus mit Recht stolz. Nicht ein zufriedene ‚Optimismus‘, sondern Unversöhnlichkeit, Wachsamkeit, revolutionäres Mißtrauen, Kampf um jeden Zoll Selbständigkeit sind die grundlegenden Züge des Bolschewismus.“ [25]

 

MarxistInnen weisen also opportunistische Manöver diverser Zentristen zurück, die – um der ArbeiterInnenbürokratie zu gefallen - behaupten, dass der Befreiungskampf mit gewaltlosen Mitteln gewonnen werden kann oder nahelegen, dass reformistische Führer über Druck von unten dazu gebracht werden könnten, den Weg des aufrechten Klassenkampfs einzuschlagen. (z.B. CWI, IMT, IST, Morenoisten).

 

Es ist das Programm als Ganzes und die Haltung der SozialistInnen dazu sowie auch deren zentrale politischen Positionen, was den Charakter des Programms ausmacht. Programmatische Schlussfolgerungen zu leugnen, zu verbergen oder zu verzerren, eine korrekte Position zu bedeutsamen Entwicklungen in der Weltpolitik und im Klassenkampf nicht einzunehmen, disqualifiziert SozialistInnen als MarxistInnen. Trotzki war in diesem Punkt unmissverständlich:

 

Aber damit erkennen Sie auch an, daß Brandler-Thalheimer keine Revolutionäre sind, denn Revolutionäre werden durch ihre Haltung zu den Grundfragen der Weltrevolution charakterisiert und erkennbar.“ [26]

 

Das Programm ist die Grundlage der Partei. Doch der Charakter des Programms muss derart sein, dass es bereits die wichtigsten taktischen Schlussfolgerungen in sich trägt. Eine Partei muss immer in der Lage sein, den ArbeiterInnen zu erklären, auf welcher Seite der Barrikade sie im jeweiligen Kampf stehen und mit welchen Mitteln sie den Sieg anstreben sollen.

 

Ein Lieblingsargument von reformistischen und zentristischen Bürokraten gegen die MarxistInnen ist, dass es “unzeitgemäß” wäre, revolutionäre Taktik zu propagieren und dass man damit den Massen “zu weit voraus” wäre. Das ist ein Standardargument jener, die Lenin in der russischen sozialdemokratischen Bewegung als “Nachtrabpolitiker” bezeichnet hatte. Wenn SozialistInnen nur jene Erkenntnisse und Schlussfolgerungen aussprechen, die die Massen bereits selber gezogen haben, wozu sollten die Massen sie dann noch brauchen? Offensichtlich waren ja dann die Massen dazu selber fähig, ihren Wissensstand zu erweitern. In diesem Fall wäre es besser, wenn sich diese “sozialistischen” Organisationen auflösen würden. Die Wahrheit ist, dass die Avantgarde und die Massen immer nach Analyse und Perspektive trachten, die, wie sie glauben, mit ihrer Erfahrung übereinstimmt. Wenn MarxistInnen es nicht schaffen, den Werktätigen bei der Vertiefung ihres Verständnisses behilflich zu sein, werden sie sich nach anderen politischen Kräften umsehen, die ihnen politische Erklärungen und Alternativen anbieten. Nur Narren glauben, dass die Massen Ansichten und Positionen zurückweisen, die ihrem aktuellen Bewusstseinsstand voraus sind. in Wirklichkeit ist dieses “Argument” der Reformisten und Zentristen nur ein Vorwand für ihre opportunistische Anpassung an die liberale Bourgeoisie und ArbeiterInnenbürokratie.

 

Lenin, dessen Partei der Welt zeigte, dass die Propaganda revolutionärer Taktiken die Partei in die Lage versetzen kann, zuerst die Avantgarde und dann die Massen zu gewinnen und sie zum Sieg zu führen, wies solch opportunistische Positionen scharf zurück:

 

 Für uns heißt es einstweilen, gemeinsam die richtige Taktik zu propagieren, die Ereignisse werden dann im weiteren das Tempo der Bewegung und die (nationalen, lokalen, gewerkschaftlichen) Modifikationen der allgemeinen Richtung bestimmen. (…) Was aber das „Unzeitgemäße" der Revolutionspropaganda betrifft, so beruht dieser Einwand auf einer Begriffsverwirrung, die bei romanischen Sozialisten gang und gäbe ist: Sie verwechseln den Beginn der Revolution mit der offenen und direkten Propaganda der Revolution. In Russland datiert niemand den Beginn der Revolution von 1905 früher als vom 9. Januar; aber die revolutionäre Propaganda im allerengsten Sinne, die Propagierung und Vorbereitung von Massenaktionen, Demonstrationen, Streiks, Barrikaden, wurde schon jahrelang vorher getrieben. Die alte „Iskra" trieb beispielsweise eine solche Propaganda seit Ende 1900, wie Marx sie schon 1847 eingeleitet hatte, zu einer Zeit, als vom Beginn einer Revolution in Europa noch keine Rede sein konnte.“ [27]

 

Systematisches Kombinieren von Programm und Taktik, diese Taktiken zu propagieren und sie wo immer möglich in die Tat umzusetzen, stellt den einzigen Weg dar, auf dem die revolutionäre Partei die Avantgarde und die Massen beeinflussen und letztlich gewinnen kann. Das ist der einzige Weg, Theorie und Praxis zu vereinen.

 

 

 

Kommunistische Massenarbeit

 

 

 

Nachdem die Aufgabe der revolutionären Partei in der Führung der ArbeiterInnenklasse zur sozialistischen Revolution besteht, muss ihre Arbeit darauf zielen, die Avantgarde und dann die proletarischen Massen zu gewinnen. Die Komintern betonte die Wichtigkeit der Massenarbeit:

 

Die erfolgreiche Führung setzt außerdem unbedingt die engste Verbindung mit den proletarischen Massen voraus. Ohne diese Verbindung wird die Führerschaft die Massen nicht führen, sondern bestenfalls hinter ihnen hergehen. Diese organischen Verbindungen werden in der kommunistischen Parteiorganisation durch den demokratischen Zentralismus erstrebt.“ [28]

 

Das kann nur erreicht werden, wenn RevolutionärInnen ihre Propaganda und Agitation mit der praktischen Arbeit unter den Massen verbinden. Diese Arbeit kann vielfältig sein: einen Streik organisieren, eine Demonstration führen, praktische Unterstützung für Arbeitslose oder Arme organisieren, Arbeit in einer Gewerkschaft und anderen Massenorganisationen, praktische Unterstützung in alltäglichen Angelegenheiten für KollegInnen an Arbeitsplätzen, Schulen oder Wohnorten, Aufstellung von Kandidaten bei Parlamentswahlen, Eintritt in eine reformistische Massenpartei als Fraktion usw. All diese Formen der Massenarbeit sollten mit einer geduldigen Erläuterung der kommunistischen Ziele der Partei einhergehen.

 

Die Parteimitglieder müssen danach streben, die besten FührerInnen, OrganisatorInnen und AktivistInnen in den auf die Massen ausgerichteten Aktivitäten zu sein. Nur so können sie das Vertrauen der Massen gewinnen. Sie werden oft dazu gezwungen sein, die Einheitsfronttaktik anzuwenden, d.h. die Einheit des Proletariats im Kampf um seine Rechte voranzutreiben, indem sie die offiziellen Führer der ArbeiterInnenbewegung und anderer Massenorganisationen aufrufen, deren Kräfte für einen bestimmten Kampf zu mobilisieren. Das zentrale Ziel ist, Schulter an Schulter mit den ArbeiterInnen zu kämpfen, die bislang noch den nicht-revolutionären Führungen folgen. Gleichzeitig müssen RevolutionärInnen die Massen vor dem wahrscheinlichen Verrat durch die offiziellen Führungen im Laufe des Kampfes warnen und sie für ihre reformistische Politik kritisieren.

 

Offensichtlich hängt das Ausmaß, in dem eine bolschewistische Organisation Arbeit unter den Massen verrichten kann, sowohl von der aktuellen Klassenkampfsituation als auch von den subjektiven Kräften ab. Je kleiner die Organisation, umso strenger muss sie die Gebiete und Intensität ihrer Arbeit unter den Massen selektieren. Um exemplarische Massenarbeit zu verrichten, sind kommunistische Parteiaufbauorganisationen gezwungen, solche Aktivitäten zu begrenzen. Sie müssen ihre Energie auf dieses oder jenes Gebiet fokussieren und versuchen, nur dort zu intervenieren.

 

Doch sobald die Organisation ihre grundlegenden programmatischen Ziele geklärt hat – d.h. sobald sie das erste Anfangsstadium einer ideologischen Strömung hinter sich gelassen hat –, sollte sie nach Möglichkeiten zur Massenarbeit Ausschau halten.

 

Solch exemplarische Massenarbeit ist für die Parteiaufbauorganisation aus vielen Gründen unerlässlich. Erstens können ihre Mitglieder wie auch die Organisation als Gesamtes nur dann im Klassenkampf Erfahrungen sammeln, wenn sie auch an diesem teilnehmen.

 

Zweitens ist das Hauptziel für Parteiaufbauorganisation die Rekrutierung von Mitgliedern aus den Reihen kämpferischer ArbeiterInnen und Unterdrückter. Das wird nur möglich sein, wenn die Parteiaufbauorganisation Seite an Seite mit diesen AvantgardekämpferInnen kämpft statt sie nur von außen zu belehren.

 

Drittens können Bolschewiki-KommunistInnen der ArbeiterInnenavantgarde die Bedeutung ihres Programms nur dann in der Praxis erklären, wenn sie als AktivistInnen am Klassenkampf teilnehmen.

 

Natürlich muss solch exemplarische Massenarbeit offen kommunistisch durchgeführt werden – unter Einbeziehung notwendiger Modifikationen aus Sicherheitsgründen angesichts möglicher staatlicher Repression o.ä.. Ansonsten besteht die Gefahr, dass RevolutionärInnen ihre Arbeit in Propaganda (mit kommunistischem Charakter) und Massenarbeit (mit ökonomistischen Charakter) aufspalten.

 

 

 

Klassenzusammensetzung und Orientierung auf die nicht-aristokratischen Schichten der ArbeiterInnenklasse

 

 

 

Wie bereits in Kapitel I ausgearbeitet, muss die revolutionäre Partei sowie ihre Vorformen eine überwiegend proletarische Zusammensetzung aufweisen. Ansonsten kann sie das politische Klassenbewusstsein nicht in die ArbeiterInnenklasse tragen, kann nicht als Strategin, Organisatorin und Führerin des Klassenkampfs agieren und ihn auch nicht zur siegreichen sozialistischen Revolution führen.

 

Ebenso wurde bereits festgehalten, dass das Proletariat eine homogene, aber vielschichtige Klasse ist. Es wurde gezeigt, dass die imperialistische Bourgeoisie einerseits darin Erfolg hatte, eine kleine, aber einflussreiche Oberschicht – die Arbeiteraristokratie – zu bestechen. Andererseits gehört die Masse des Proletariats zur unteren Schicht, die oft auch zusätzlichen Unterdrückungsformen (Geschlecht, Alter, Nationalität, Religion usw.) ausgesetzt ist. Außerdem muss erwähnt werden, dass die riesige Mehrheit des Weltproletariats im 21. Jahrhundert – etwa ¾ - im Süden, d.h. außerhalb der alten imperialistischen Metropolen lebt.

 

Das bedeutet, dass die revolutionäre ArbeiterInneninternationale sich vorwiegend auf die unteren Schichten der ArbeiterInnenklasse in den alten imperialistischen Ländern und das Proletariat der Länder im Süden orientieren muss. Diese unteren Schichten, die wir im Gegensatz zur aristokratischen Oberschicht als “Massentypus” der ArbeiterInnenklasse – die Komintern verwendete auch den Begriff der „massenproletarischen Elemente“ – bezeichnen können, bilden die riesige Mehrheit des Weltproletariats. [29]

 

In ihrer Resolution zur Rolle der Kommunistischen Partei meinte die Komintern: „Die wichtigste Aufgabe einer wirklich kommunistischen Partei besteht darin, immer in engster Fühlung mit den breitesten Schichten der Proletarier zu bleiben.[30]

 

Im gleichen Sinne erklärte Trotzki die strategische Ausrichtung des Bolschewismus: „Der Sinn, die Stärke und das Wesen des Bolschewismus bestehen darin, daß er sich nicht an die Oberschichten der Arbeiterklasse wendet, sondern an die unteren Schichten, an die Millionen, an die Unterdrücktesten der Unterdrückten.[31]

 

Die Bolschewiki-KommunistInnen weisen den für Reformisten und Zentristen so typischen Zugang beharrlich zurück, sich nicht an die untere, massenproletarische Mehrheit der ArbeiterInnenklasse, sondern an die privilegierte Oberschicht zu wenden. Die kleinbürgerliche Linke rechtfertigt das mit dem Hinweis auf die höhere Bildung und “Kultur” der Oberschicht. Doch sie vergessen dabei völlig, oder geben es vor, dass diese sogenannte höhere (bürgerliche) Bildung einhergeht mit arroganten Vorurteilen gegen die “rückständigen” Massen der ArbeiterInnen und Bauerschaft sowie mit Privilegien, die diese Schicht an die bürgerliche Ordnung binden.

 

Trotzki wies auf dieses Merkmal des Reformismus und Zentrismus im Übergangsprogramm hin:

 

„Alle opportunistischen Organisationen konzentrieren ihrer Natur nach ihre Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die oberen Schichten der Arbeiterklasse und ignorieren demzufolge die Jugend genauso wie die werktätigen Frauen. Nun versetzt aber die Epoche des kapitalistischen Zerfalls der Frau die härtesten Schläge – als Arbeiterin wie als Hausfrau. Die Sektionen der IV. Internationale müssen bei den unterdrücktesten Schichten der Arbeiterklasse und demnach bei den werktätigen Frauen Unterstützung suchen. Sie werden dort unerschöpfliche Quellen der Ergebenheit, der Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft finden.“ [32]

 

Natürlich wird die revolutionäre Partei ArbeiterInnen aus der Arbeiteraristokratie, die sich ihr aus freiem Willen anschließen wollen, akzeptieren – sowie auch Intellektuelle mit bürgerlichem oder kleinbürgerlichem Hintergrund – sofern sie mit den typischen Schwächen dieser Schicht gebrochen haben.

 

Die revolutionäre Partei bzw. ihre Vorform muss immer darauf achten, nicht von kleinbürgerlichen Intellektuellen und Arbeiteraristokraten dominiert zu werden. Wenn eine solche Entwicklung Platz greift, muss die Organisation Wege finden, dem entgegenzusteuern und Schritte zur Korrektur der Klassenzusammensetzung tätigen. Ansonsten läuft die Organisation Gefahr, sich dem Einfluss der politischen Stimmung und Vorurteile der kleinbürgerlichen Intellektuellen und der Arbeiteraristokratie zu sehr auszusetzen.

 

Aber man muss jetzt betonen, dass die Partei um so abhängiger von der herrschenden Öffentlichen Meinung ist, je kleinbürgerlicher sie in ihrer Zusammensetzung ist. Das ist ein weiteres Argument für die Notwendigkeit einer mutigen und energischen Neuorientierung zu den Massen hin.“[33]

 

Das ist die einzige mögliche Anwendung der kommunistischen Methode unter den Bedingungen des heutigen in Niedergang begriffenen Kapitalismus.

 

Im Gegensatz zu diversen Zentristen betonen Bolschewiki-KommunistInnen, dass der kommunistische Zugang zum Parteiaufbau wie oben ausgeführt nicht nur für entwickelte revolutionäre Parteien gilt, sondern auch für kleinere Parteiaufbauorganisationen. Das war die Theorie und Praxis von Trotzki und seinen Waffengefährten, als sie sich in den späten 1920ern und 1930ern mit dem Aufbau von Parteiaufbauorganisationen konfrontiert sahen. Bei zahlreichen Gelegenheiten bestand Trotzki darauf, dass die kleinen Gruppen der linken Opposition ihre Orientierung und ihre Mitgliederwerbung auf die ArbeiterInnen und besonders auf die unteren Schichten richten müssen. Er schrieb 1932:

 

“Wenn zehn Intellektuelle, in Paris, Berlin oder New York, die bereits Mitglieder verschiedener Organisationen waren, sich an uns mit dem Ersuchen der Aufnahme in unsere Mitte wenden, würde ich folgenden Rat geben: sie sollen eine Reihe von Tests zu all den programmatischen Fragen durchlaufen; auf Herz und Nieren geprüft werden und danach sollte vielleicht einer oder zwei von ihnen akzeptiert werden.

 

Der Fall ist völlig anders, wenn sich zehn Arbeiter, die mit den Massen verbunden sind, an uns wenden. Der Unterschied in unserer Haltung zu einer kleinbürgerlichen Gruppe und zu einer proletarischen Gruppe muss nicht erklärt werden. Doch wenn eine proletarische Gruppe in einem Bereich arbeitet, wo es Arbeiter verschiedener Rassen gibt und sie trotzdem nur aus Arbeitern einer privilegierten Nationalität besteht, bin ich geneigt, sie mit Argwohn zu betrachten. Haben wir es da nicht mit der Arbeiteraristokratie zu tun? Ist die Gruppe aktiv oder passiv von einer Sklavenhaltermentalität vergiftet?

 

Eine ganz andere Sache ist es, wenn wir einer Gruppe von schwarzen Arbeitern gegenüberstehen. Hier bin ich bereit, von vornherein anzunehmen, dass wir mit ihnen Übereinkunft erreichen, sogar wenn eine solche Übereinkunft jetzt noch nicht aktuell ist. Denn die schwarzen Arbeiter können und werden aufgrund ihrer Position an sich nicht danach streben, irgendjemanden abzuwerten, zu unterdrücken, seiner Rechte zu berauben. Sie suchen keine Privilegien und können nicht an die Spitze gelangen außer über den Weg der internationalen Revolution.

 

Wir können und müssen einen Weg zum Bewusstsein der schwarze Arbeitern finden, der chinesischen Arbeiter, der indischen Arbeiter und all der Unterdrückten im menschlichen Ozean der farbigen Rassen, dem das entscheidende Wort in der Entwicklung der Menschheit gehört.” [34]

 

In einer Diskussion während seines Besuchs in Kopenhagen 1932 riet Trotzki den GenossInnen bezüglich ihrer Haltung gegenüber Studenten oder Akademikern, dass die ArbeiterInnenbewegung diese mit größten Mißtrauen begegen muß. (…) [Erst] wenn dieser [für drei, vier oder fünf Jahre] in der Arbeiterbewegung auf diese Weise gearbeitet hat, erst dann ist die Tatsache vergessen, daß dieser ein Akademiker ist, dann verschwindet der soziale Unterschied[35]

 

Es ist daher auch wichtig für die revolutionäre Partei wie auch ihre Vorformen, sich an die proletarische Jugend zu richten. Die Jugend ist gewöhnlich weniger von konservativen Vorurteilen und bürgerlichen Ideologien geprägt und offener gegenüber radikalen Herausforderungen für die bürgerliche Ordnung.

 

Wenn hier von Jugend gesprochen wird, ist die proletarische Jugend in Abgrenzung zu anderen Volksschichten gemeint, also nicht die kleinbürgerliche und bürgerliche Jugend. Diese Betonung ist wichtig, denn wenn Reformisten und Zentristen heute von Jugend sprechen, meinen sie zumeist Universitätsstudenten mit kleinbürgerlichem oder bürgerlichem Hintergrund bzw. solche, die in diese Schicht aufsteigen wollen. Trotzki machte klar, dass RevolutionärInnen sich – auch als kleine Parteiaufbauorganisation – in ihrer Jugendarbeit auf die proletarische Jugend und nicht auf die Studenten aus den besseren Familien konzentrieren sollten. In der Kritik eines Dokuments zur Jugendarbeit schrieb er 1934:

 

“Als soziale Basis für die Organisation werden die ‘arbeitenden, arbeitslosen und studierenden Jugend’ angeführt. Wieder rein beschreibend, nicht sozial. Für uns ist es eine Frage der proletarischen Jugend und jener Elemente unter den Studenten, die sich dem Proletariat zuwenden. Arbeitende, arbeitslose und studierende Jugendliche sind für einen Marxisten keineswegs gleichwertige Glieder in der gesellschaftlichen Kette.” [36]

 

Die Bolschewiki waren sich immer der Bedeutung der Gewinnung der ArbeiterInnenklassenjugend bewusst. Lenin griff die Menschewiki 1906 an, als sie die Bolschewiki für das geringe Durchschnittsalter ihrer Mitglieder kritisierten:

 

Anderseits hängt die Zusammensetzung der politisch führenden Vorhut jeder Klasse, einschließlich des Proletariats, ebenfalls sowohl von der Lage dieser Klasse als auch von der Hauptform ihres Kampfes ab. Larin beklagt sich zum Beispiel darüber, dass in unserer Partei die Arbeiterjugend überwiegt, dass wir wenig verheiratete Arbeiter haben, dass sie die Partei meiden. Diese Klage eines russischen Opportunisten erinnert mich an eine Stelle bei Engels (wenn ich nicht irre, in „Zur Wohnungsfrage"). Engels entgegnet einem trivialen bürgerlichen Professor, einem deutschen Kadetten, und schreibt: Ist es nicht natürlich, dass bei uns, in der Partei der Revolution, die Jugend überwiegt? Wir sind die Partei der Zukunft, die Zukunft aber gehört der Jugend. Wir sind die Partei der Neuerer, den Neuerern aber folgt stets die Jugend am liebsten. Wir sind die Partei des aufopfernden Kampfes gegen die alte Fäulnis, zum aufopferungsvollen Kampf aber ist stets die Jugend als erste bereit. Nein, überlassen wir es lieber den Kadetten, „müde" Greise von dreißig Jahren, „gescheiter gewordene" Revolutionäre und Renegaten der Sozialdemokratie aufzulesen. Wir werden stets die Partei der Jugend der fortgeschrittensten Klasse sein!“ [37]

 

Ähnlich strich Trotzki hervor, dass die Bolschewiki im Gegensatz zu den Menschewiki immer Erfolg in der Heranziehung der proletarischen Jugend hatte.

 

„In der Illegalität war der Bolschewismus stets eine Partei von jungen Arbeitern. Die Menschewiki stützten sich auf die gediegenen Facharbeiter, die Oberschicht des Proletariats. Herablassend prahlten sie damit gegenüber den Bolschewiki, bis die späteren Ereignisse ihnen unbarmherzig ihre Fehler aufzeigten, denn im entscheidenden Augenblick riß die Jugend die reiferen Schichten und sogar die Alten mit sich.[38]

 

Wenn wir das Durchschnittsalter der ParteiaktivistInnen betrachten, wird der Unterschied zwischen Bolschewiki und Menschewiki offensichtlich. In der zuvor erwähnten Studie von David Lane zu den russischen Bolschewiki und Menschewiki vor 1907, aus der in Kapitel I zitiert wurde, nennt der Autor eine Reihe aussagekräftiger Zahlen. Er zeigt, dass bei den Mittelkadern beider Fraktionen 17% der Bolschewiki unter 19 Jahre alt waren (Menschewiki: 0%), 42% waren zwischen 20 und 24 Jahren alt (Menschewiki: 26%), 24% waren zwischen 25 und 29 Jahren alt (Menschewiki: 46%) und 17% waren über 30 Jahren alt (Menschewiki: 29%).

 

Unter den Basismitgliedern beider Fraktionen bietet sich ein ähnliches Bild: 22% der Bolschewiki waren unter 19 (Menschewiki: 5%), 37% waren zwischen 20 und 24 Jahren alt (Menschewiki: 30%), 16% waren zwischen 25 und 29 Jahren alt (Menschewiki: 30%) und 26% waren über 30 Jahren alt (Menschewiki: 29%).

 

Der Autor schlussfolgert daraus: “Diese zwei Tabellen zeigen, dass die Bolschewiki auf der untersten Ebene der Parteiorganisation jünger waren als die Menschewiki und dabei die ‘Aktivisten’ noch mehr als die einfachen Mitglieder. Das legt nahe, dass die bolschewistischen Organisationsstrukturen es den Jungen ermöglichten, leichter auf verantwortungsvolle Posten zu gelangen als die der Menschewiki.” [39]

 

Das sind wichtige Lehren für RevolutionärInnen heute. Alle Stadien des revolutionären Parteiaufbaus können unmöglich gemeistert werden ohne starke Orientierung auf die proletarische Jugend.

 

Wenn die Orientierung auf junge ArbeiterInnen zu Lenins Zeiten richtig war, so ist dies heute zehnmal mehr der Fall. Bereits in den 1930ern erklärte Trotzki, dass “die alte Generation (von Revolutionären, d. Hg.) völlig verbraucht und erschöpft ist.[40]

 

Das stimmt heute umso mehr! Die vergangenen Jahrzehnte reformistischer und zentristischer Dominanz in der ArbeiterInnenbewegung haben ganze Schichten älterer ArbeiterInnen und sozialistischer AktivistInnen demoralisiert. Die künftige revolutionäre Partei und Internationale kann nur auf den Schultern frischer, kämpferischer und junger ArbeiterInnen aufgebaut werden.

 

Natürlich wird die Mitgliederzusammensetzung beim Aufbau der Parteivorformen, wenn ihre Kräfte gering sind und das Fundament schwach ist, stärker von den jeweiligen Umständen abhängen, von persönlichen Faktoren, von Zufällen usw. In Fällen, in denen Reformisten und Zentristen starken Einfluss auf die gesamte Avantgarde der ArbeiterInnenklasse und der Unterdrückten haben, mag es zu Beginn für Parteiaufbauorganisationen schwierig sein, aus diesen Bereichen AnhängerInnen zu gewinnen. Doch wenn eine Parteiaufbauorganisation sich solchen Schwierigkeiten gegenüber sieht, muss sie einen Plan entwickeln, auf dessen Grundlage sie diese nachteilige Situation überwinden kann und diesen fortwährend umsetzen.

 

Von Beginn an, also auch in den Parteiaufbauorganisationen, soll in der revolutionären Bewegung nur Platz für jene Intellektuellen sein, die sich der Sache vollkommen widmen, die beständig gegen jede Form von Karrierismus kämpfen, die proletarischen AktivistInnen ohne aristokratische Vorurteile oder Haltung begegnen können und die die Entwicklung letzterer als kommunistische Führer unterstützen.

 

 

 

Taktiken des Aufbaus der revolutionären Partei

 

 

 

Natürlich gibt es verschiedene, situationsabhängige Herangehensweisen und Taktiken beim nationalen und internationalen Aufbau der revolutionären Partei. Nichtsdestotrotz hat die Erfahrung der revolutionären ArbeiterInnenbewegung gezeigt, dass es eine Reihe von Taktiken gibt, die eine Schlüsselrolle in unserer Arbeit einnehmen. Welche Taktik von RevolutionärInnen wann und wie angewendet werden kann, hängt natürlich auch sehr stark vom aktuellen Stadium des Organisationsaufbaus ab – ihrer Größe und ihren Wurzeln in der ArbeiterInnenklasse.

 

Individuelle Rekrutierung wird immer eine wichtige Rolle im Parteiaufbau spielen, besonders im frühen Stadium. Die bolschewistische Organisation klärt mit einem/r AktivistIn sein oder ihr Einverständnis mit den programmatischen Grundlagen ebenso wie mit den praktischen Aufgaben, die erledigt werden müssen. Während der ersten Periode ist das neue Mitglied ein Kandidat, d.h. der einzige Unterschied zu Vollmitgliedern liegt darin, dass er bzw. sei nur eine symbolische Stimme hat. Wenn die Organisation von der Ernsthaftigkeit und dem Engagement des/r neuen GenossIn überzeugt ist, wird er oder sie zum Vollmitglied.

 

Bildung parteinaher Organisationen: In ihrem Wunsch, ihre Arbeit in bestimmten Bereichen voranzutreiben, wird die Partei üblicherweise parteinahe Organisationen schaffen (z.B. Jugendorganisationen, Frauenorganisationen, Migrantenorganisationen, Gewerkschaftsfraktionen, Kulturorganisationen etc.). Natürlich muss die Parteiaufbauorganisation selektiver darin sein, wann und welche partei-nahe Organisation sie bilden kann. Doch sogar in diesem frühen Stadium können solche Organisationen sehr nützliche Werkzeuge beim Ausbau der Arbeit sein. Im Gegensatz zur Kaderpartei haben diese Organisationen einen eher lockeren Charakter, die Anforderungen für eine Mitgliedschaft – sowohl hinsichtlich programmatischer Übereinstimmung wie auch im praktischen Engagement – sind niedriger und die Ansprüche an die Mitglieder punkto Disziplin sind weniger streng. Das Ziel dieser Organisationen ist es, an die Partei bzw. Parteiaufbauorganisation kämpferische Schichten von ArbeiterInnen und Jugendlichen enger heranzuziehen und so hoffnungsvollen AktivistInnen Erfahrung in der revolutionären Arbeit zukommen zu lassen. Die Partei wird unter diesen GenossInnen die Besten aussuchen und versuchen, sie als Mitglieder der Kaderorganisation zu gewinnen. Die Verbindung dieser Organisationen zur Partei darf nicht zu einer Beziehung der automatischen Unterordnung werden. Ganz im Gegenteil, alle Mitglieder einer parteinahen Organisation sollten ermutigt werden, ihre Ideen vorzubringen und zur Arbeit beizutragen. Die Bolschewiki sammelten sehr wertvolle Erfahrung mit parteinahen Organisationen rund um ihre Partei.

 

Rekrutierung über Intervention in Massenbewegungen: Wenn KommunistInnen einer fortschrittlichen Massenbewegung gegenüberstehen, ist sie dazu verpflichtet, in beispielhafter Weise zu intervenieren und ihre praktische Intervention mit systematischer kommunistischer Propaganda und Agitation kombinieren. Solche Intervention – sogar wenn sie von einer kleinen kommunistischen Parteiaufbauorganisation durchgeführt wird – kann zu sprunghaften Entwicklungen im Parteiaufbau führen, wenn es den Bolschewiki-KommunistInnen gelingt, ganze Schichten von KämpferInnen im Kampf zu gewinnen. Das war die Erfahrung der US-TrotzkistInnen in den Streiks von Minneapolis 1934 wie auch verschiedener linksradikaler Gruppen 1968. Ähnlich kann die Partei riesige Fortschritte machen, wenn sie die Mehrheit in einer Gewerkschaft oder einer anderen Massenorganisation gewinnt.

 

Spaltungen und Fusionen: Wenn Linksreformisten oder Zentristen ernsthaft ihr altes Programm und ihre Strategie hinterfragen, sollten Bolschewiki-KommunistInnen bereit sein, sich mit ihnen auszutauschen, um sie letztlich für das revolutionäre Programm und seine Methoden zu gewinnen. Wenn es Übereinstimmung über die nationalen und internationalen programmatischen und praktischen Aufgaben der gegenwärtigen Periode gibt, sollten RevolutionärInnen auf eine Fusion mit solchen Kräften hinarbeiten. Sie müssen sicherstellen, dass eine solche Fusion auf solider politischer Grundlage geschieht, denn sonst wird sie sehr rasch in eine zerstörerische Spaltung münden. Es gibt auch Situationen, in denen methodische Differenzen innerhalb der Partei oder der Parteiaufbauorganisation unlösbar und schädlich für das Erreichen der Parteiziele werden. In einer solchen Situation ist eine Spaltung das kleinere Übel verglichen mit der Gefahr einer langfristigen Lähmung. Wie wohl bekannt, zögerte Lenin nie, sich von Widersachern zu trennen, wenn sie zu einem Hindernis für den revolutionären Parteiaufbau wurden. Die TrotzkistInnen hatten ebensolche Erfahrungen in den 1930ern, als sie sich von verschiedenen Sektierern und Opportunisten abspalteten (z.B. die griechischen Archeo-MarxistInnen, die Nin-Gruppe in Spanien, Sneevliets Partei in den Niederlanden, die Molinier-Gruppe in Frankreich usw.).

 

Entrismus: In bestimmten Perioden – vor allem in Zeiten großer politischer Umwälzungen – können reformistische und zentristische Organisationen eine interne Krise durchlaufen, in der es lebhafte Debatten gibt, in denen Mitglieder das herkömmliche Programm und die üblichen Strategien hinterfragen. In solchen Zeiten kann es für RevolutionärInnen eine nützliche Taktik sein, sich einer solchen Partei anzuschließen und innerhalb dieser als revolutionäre Fraktion zu arbeiten. In diesen Fällen ist es unerlässlich, offen für das revolutionäre Programm und eine radikal neue Strategie zu argumentieren. Solche Entrismustaktiken können Teile der bolschewistischen Organisation durchführen oder auch die Organisation als Ganzes. Letztlich sind Entrismustaktiken gewöhnlich Kurzzeitprojekte, denn die Koexistenz zwischen RevolutionärInnen und Nicht-RevolutionärInnen innerhalb der gleichen Partei ist auf Dauer unmöglich. Die französischen wie auch die US-amerikanischen TrotzkistInnen führten in den 1930er Jahren erfolgreiche und prinzipientreue Entrismusprojekte durch.

 

 

 

Die Verpflichtung der KommunistInnen zur Arbeit und der demokratische Zentralismus

 

 

 

Einheit von Theorie und Praxis in der Aktivität von Parteimitgliedern bedeutet, dass alle Mitglieder aktiv am Umfang der zahlreichen Aufgaben der Organisation teilhaben. Die Avantgardepartei weist eine Trennung zwischen aktiven und passiven Mitgliedern zurück. Die Partei hat enorme Verantwortung und ebensolche Aufgaben und braucht daher die Mitarbeit jedes einzelnen Mitglieds. Wie die Bolschewikin Elena Stasova zu sagen beliebte, ist jede Aufgabe, auch wenn sie noch so klein erscheint, wichtig und stärkt die Parteiarbeit. [41] Ein Mitglied, das seine oder ihre Verpflichtungen als Parteikader nicht mehr erfüllen kann (abgesehen von Krankheit, persönlichen Problemen oder anderen Gründen vorübergehender Natur), sollte SympathisantIn werden.

 

Um das bestmögliche Ergebnis aus der Arbeit der Mitglieder zu erlangen, braucht die Partei eine effektive Arbeitsteilung. Dazu darf die Arbeit nicht spontan oder gemäß individueller Vorlieben erledigt werden, sondern muss entsprechend der kollektiven Bedürfnisse und individuellen Fähigkeiten organisiert werden. Dafür wiederum braucht die Partei einen Plan, der die zahlreichen Aufgaben koordiniert und ein Organisationszentrum, das die Umsetzung dieser Pläne überwacht. Mit anderen Worten: eine Partei kann nicht ohne strenge Disziplin und Kontrolle arbeiten.

 

Die Komintern fasste die bolschewistische Erfahrung auf ihrem Dritten Kongress 1921 in einem herausragenden Dokument – genannt Richtlinien zur Organisationsstruktur, Methoden und Arbeitsinhalten der kommunistischen Parteien – zusammen. Das Dokument hält fest:

 

Wenn die kommunistische Tätigkeit ausbleibt und wenn in der Organisation der Parteiarbeit die Passivität der Mitgliedermassen noch immer erhalten bleibt, erfüllt die Partei nicht einmal das Mindeste von dem, was sie durch die Annahme des kommunistischen Programms dem Proletariat versprochen hat. Denn zur ernsten Durchführung dieses Programms ist die Heranziehung aller Mitglieder zu beständiger, alltäglicher Mitarbeit die erste Bedingung. Die Kunst der kommunistischen Organisation besteht darin, im proletarischen Klassenkampf alles und alle auszunützen, zwischen allen Parteimitgliedern die Parteiarbeit zweckmäßig zu verteilen und durch die Mitglieder noch breitere Massen des Proletariats ständig in die revolutionäre Bewegung hineinzuziehen, dabei die Führung über die gesamte Bewegung fest in den Händen zu halten, nicht kraft der Macht, sondern kraft der Autorität, also kraft der Energie, der größeren Erfahrung, der größeren Vielseitigkeit, der größeren Fähigkeit. Eine kommunistische Partei soll also in ihrem Bestreben, nur wirklich aktive Mitglieder zu haben, von einem jeden in ihren Reihen fordern, daß er seine Kraft und Zeit, soweit er überhaupt selbst darüber unter den gegebenen Verhältnissen disponieren kann, zur Verfügung seiner Partei stellt und immer sein Bestes für diesen Dienst hergibt. Zur Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei gehört natürlich in der Regel — unter Voraussetzung der kommunistischen Überzeugung — auch formale Registrierung, eventuell zuerst als Kandidat, dann als Mitglied, regelmäßige Zahlung der festgesetzten Beiträge, das Abonnement der Parteizeitung usw. Das Wichtigste aber ist die Teilnahme jedes Mitgliedes an der täglichen Parteiarbeit. Zum Zwecke der täglichen Parteiarbeit soll in der Regel jedes Parteimitglied stets in eine kleinere Arbeitsgruppe eingegliedert sein: in eine Gruppe, ein Komitee, eine Kommission, einen Ausschuß oder ein Kollegium, in eine Fraktion oder Zelle. Nur auf diese Weise kann die Parteiarbeit ordentlich verteilt, geleitet und ausgeführt werden.[42]

 

Auf Basis einer solch allgemeinen Verpflichtung aller Parteimitglieder zur Arbeit und breitgefächerten Arbeitsteilung funktioniert die Partei gemäß den Prinzipien des demokratischen Zentralismus. Das heißt kurz gesagt, dass dort, wo die Bedingungen innerparteiliche Demokratie erlauben, die Mitglieder auf Konferenzen über die wichtigsten Angelegenheiten entscheiden und auf dieser Grundlage eine zentrale Führung wählen. Die Führungsorgane haben die Aufgabe, die Parteiarbeit zu organisieren und voranzutreiben. Die Entscheidungen der Führungsorgane sind für alle Mitglieder bindend und müssen umgesetzt werden.

 

Die kommunistische Partei muss auf der Grundlage des demokratischen Zentralismus aufgebaut werden. Das Hauptprinzip des demokratischen Zentralismus bildet die Wählbarkeit der oberen Parteizellen durch die untersten, die unbedingte und unerlässliche Verbindlichkeit aller Vorschriften der übergeordneten Instanz für die untergeordnete und das Vorhandensein eines starken Parteizentrums, dessen Autorität allgemein anerkannt ist für alle führenden Parteigenossen in der Zeit von einem Parteitag bis zum andern.[43]

 

Mitglieder haben das Recht, ihre Kritik an Parteientscheidungen intern auszusprechen. Um die Entscheidungen möglichst wirksam umzusetzen, handelt die Partei aber als Einheit und diskutiert allfällige Differenzen innerhalb der Organisation und nicht öffentlich (außer die Partei beschließt, eine solch interne Debatte an die Öffentlichkeit zu bringen).

 

Die Parteimitglieder sind in ihrem öffentlichen Auftreten verpflichtet, sich stets als disziplinierte Mitglieder einer kämpfenden Organisation zu betätigen. (…) Aber auch wenn der Beschluß der Organisation oder der Parteileitung nach der Meinung anderer Mitglieder fehlerhaft sei, dürfen diese Genossen in ihrem öffentlichen Auftreten nie vergessen, daß das schlimmste disziplinarische Vergehen und der schlimmste Fehler im Kampf doch ist, die Einheitlichkeit der gemeinsamen Front zu stören oder gar zu brechen. Es ist die oberste Pflicht jedes Parteimitgliedes, die Kommunistische Partei und vor allem die Kommunistische Internationale gegen alle Feinde des Kommunismus zu verteidigen. Wer dies vergißt und im Gegenteil die Partei oder die Kommunistische Internationale öffentlich angreift, ist wie ein Gegner der Partei zu behandeln.[44]

 

Die zentrale Aufgabe der Führung ist, die Organisation entlang der Beschlüsse des höchsten Parteiorgans, d.h. der Konferenz ihrer Mitglieder, zu leiten. Dafür muss sie ein starkes, einiges und respektiertes Zentrum haben. Wo innerhalb der Partei wesentliche Differenzen bestehen, sollte das auch in der Zusammensetzung des Führungsgremiums abgebildet sein. Gleichzeitig sollte das kleinere Exekutivorgan der Führung so homogen wie möglich sein, um die effektivste Umsetzung der Entscheidungen der höheren Organe zu befördern.

 

Aus demselben Grunde sollten auch taktisch abweichende Meinungen ernsthaften Charakters bei der Zentralleitungswahl nicht unterdrückt werden. Viel mehr sollte ihnen in der Gesamtleitung eine Vertretung durch ihre besten Repräsentanten ermöglicht werden. Die engere Leitung jedoch soll, wenn irgend angängig, einheitlich in ihren Auffassungen sein, und sie muß sich, um fest und sicher führen zu können, nicht nur auf ihre Autorität, sondern auch auf eine klare und sogar zahlenmäßig feste Mehrheit der Gesamtleitung stützen können.[45]

 

 

 

Der Kampf gegen bürgerliche und kleinbürgerliche Einflüsse in der ArbeiterInnenklasse

 

 

 

Eine der Hauptaufgaben der Partei oder ihrer Vorform ist der Kampf gegen jene Kräfte, die die ArbeiterInnenklasse und ihre Avantgarde in die Irre führen – die Arbeiterbürokratie, Reformisten, Zentristen, offizielle Führungen von Unterdrückten usw. Der Sieg des Proletariats in seinem Kampf um Befreiung gegen die kapitalistische AusbeuterInnenklasse wird nicht zu erreichen sein, wenn die revolutionäre Partei nicht zuerst den Einfluss der bürgerlichen und kleinbürgerlichen Kräfte innerhalb der ArbeiterInnenklasse und unter den Unterdrückten zurückdrängt.

 

MarxistInnen betonten wiederholt, dass die herrschende Klasse ihre Macht nicht aufgrund ihrer inneren Stärke erfolgreich aufrechterhalten hat, sondern aufgrund der Unterstützung, die sie von der Arbeiterbürokratie erhält. James P. Cannon meinte einst:

 

Die Stärke des Kapitalismus liegt nicht in ihm selbst und seinen Institutionen; er überlebt nur, weil er Unterstützung in den Organisationen der Arbeiter hat. Wir erkennen jetzt aus den Lehren der Russischen Revolution und ihren Folgen, dass neun Zehntel des Kampfs für den Sozialismus aus dem Kampf gegen bürgerlichen Einfluss in den Arbeiterorganisationen, einschließlich der Partei, bestehen.” [46]

 

Im Gegensatz zu jenen zahlreichen postmodernen Linken, die behaupten, dass der Marxismus eine breite pluralistische Strömung ist, die all jene umfasst, die sich von Marx’ Lehren angezogen fühlen, unterscheiden Bolschewiki-KommunistInnen scharf zwischen jenen, die wahrhaft auf Grundlage der von Marx, Engels, Lenin und Trotzki erarbeiteten Methode tätig sind und jenen, die gegen diese Methode systematisch verstoßen, auch wenn sie behaupten, “MarxistInnen” zu sein. Nur erstere können tatsächlich als MarxistInnen betrachtet werden, während letztere entweder Reformisten sozialdemokratischer oder stalinistischer Art oder Zentristen, d.h. solche, die ihre Anpassung an die reformistische Arbeiterbürokratie mit “radikalen” Phrasen und gelegentlichen Zickzackkursen kaschieren, sind.

 

Das Mark des Zentrismus ist der Opportunismus. Unter dem Einfluss äußerer Umstände (Tradition, Druck der Massen, politische Konkurrenz) ist der Zentrismus in bestimmten Phasen gezwungen, mit Radikalismus Staat zu machen. Dazu muss er sich selbst überwinden, seine politische Natur vergewaltigen. Indem er sich mit aller Kraft anspornt, gerät er nicht selten an die äußerste Grenze des formalen Radikalismus. Kaum aber schlägt die Stunde ernster Gefahr, kommt die wahre Natur des Zentrismus zum Vorschein.“ [47]

 

MarxistInnen unterschieden daher immer genau zwischen der proletarischen marxistischen Linie und der kleinbürgerlichen, reformistischen oder zentristischen Linie. Trotzki machte das deutlich, als er die riesige Kluft, die zwischen den Kräften der Vierten Internationale und ihren zentristischen Rivalen wie der spanischen POUM oder der deutschen SAP besteht, erklärte:

 

„Jedenfalls ist klar, dass die Führung eurer Partei absolut nichts von den fatalen Fehlern der POUM verstanden hat, die aus ihrem zentristischen, nicht-revolutionären, nicht-marxistischen Charakter erwachsen.“ [48]

 

Uns trennen nicht Nuancen hinsichtlich der Taktik, sondern fundamentale Fragen. Es wäre absurd und unwürdig, davor die Augen zu schließen, nach den Erfahrungen, die wir gemacht haben. Die Differenzen zwischen uns und der SAP fallen sämtlich in den Rahmen der Widersprüche zwischen Marxismus und Zentrismus.” [49]

 

Tatsächlich repräsentieren Reformismus und Zentrismus einen bürgerlichen Einfluss in den Reihen der ArbeiterInnenbewegung. Mit ihrer Einwirkung auf das Bewusstsein der ArbeiterInnen helfen sie (oftmals unfreiwillig) der herrschenden Klasse dabei, ihre Vorherrschaft über die ArbeiterInnenklasse aufrecht zu erhalten. Die Bolschewiki schrieben in ihrem Programm von 1919:

 

Diese Voraussetzungen sind nicht zu verwirklichen, wenn man nicht grundsätzlich und entschlossen mit der bürgerlichen Entstellung des Sozialismus bricht, die in den Oberschichten der offiziellen sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien den Sieg davongetragen hat, ihr nicht schonungslos den Kampf ansagt. Eine solche Entstellung ist einerseits die Strömung des Opportunismus und des Sozialchauvinismus, des Sozialismus in Worten, des Chauvinismus in Wirklichkeit, wobei man die Verteidigung der räuberischen Interessen seiner nationalen Bourgeoisie allgemein wie auch insbesondere während des imperialistischen Krieges 1914-1918 durch die verlogene Losung der Vaterlandsverteidigung bemäntelt. Diese Strömung ist dadurch entstanden, daß die fortgeschrittenen kapitalistischen Staaten durch die Ausplünderung der kolonialen und schwachen Völker der Bourgeoisie die Möglichkeit geben, den durch diese Ausplünderung erworbenen Extraprofit zu benutzen, um der Oberschicht des Proletariats eine privilegierte Stellung einzuräumen und sie auf diese Weise zu bestechen, ihr in Friedenszeiten eine erträgliche kleinbürgerliche Existenz zu sichern und die Führer dieser Schicht in ihren Dienst zu stellen. Die Opportunisten und Sozialchauvinisten sind als Lakaien der Bourgeoisie direkte Klassenfeinde des Proletariats, besonders jetzt, da sie im Bündnis mit den Kapitalisten mit Waffengewalt die revolutionäre Bewegung des Proletariats in ihren eigenen wie in fremden Ländern unterdrücken. Eine bürgerliche Entstellung des Sozialismus ist anderseits die gleichfalls in allen kapitalistischen Ländern festzustellende Strömung des „Zentrums", die zwischen den Sozialchauvinisten und den Kommunisten schwankt, die für die Einheit mit den ersteren eintritt und den Versuch unternimmt, die bankrotte II. Internationale zu neuem Leben zu erwecken. Führer des Proletariats im Kampf um seine Befreiung ist nur die neue, die III., die Kommunistische Internationale, von der die K.PR ein Trupp ist.[50]

 

Zahlreiche Reformisten und Zentristen verurteilen die Herangehensweise der Bolschewiki-KommunistInnen als “sektiererisch” wegen ihrer offenen Angriffe auf falsche Programme und schlechte Führungen. Im Gegensatz dazu ziehen wir die Lehre aus dem erfolgreichen Parteiaufbau der Bolschewiki, die die ArbeiterInnenklasse zum Sieg führen konnte, dass eine solch klare Abgrenzung zwischen richtig und falsch die zwingende Voraussetzung für die Organisierung der Arbeiteravantgarde auf einem soliden kommunistischen Programm ist. Die Aufgabe der revolutionären Partei ist es, politisch gegen die reformistischen und zentristischen Kräfte zu kämpfen, um sie zurückzudrängen und letztlich ihren Einfluss zu liquidieren.

 

Natürlich verhindert der Kampf gegen die Reformisten und Zentristen nicht die Anwendung der Einheitsfronttaktik. Tatsächlich ist die Einheitsfronttaktik nicht nur deshalb wichtig, weil sie die größtmögliche Einheit von ArbeiterInnen im Klassenkampf erlaubt, sondern auch, weil sie der revolutionären Partei hilft, von Reformisten und Zentristen beeinflusste ArbeiterInnen von diesen jeweiligen falschen Führungen wegzubrechen, indem die Überlegenheit des kommunistischen Programms in der Praxis vorgeführt wird.

 

Lenin und die Bolschewiki erklärten wiederholt, dass die revolutionäre Partei niemals die Bourgeoisie besiegen kann, wenn sie nicht gleichzeitig gegen deren reformistische und zentristische Lakaien innerhalb der ArbeiterInnenbewegung kämpft:

 

„Der ideologische Kampf des revolutionären Marxismus gegen den Revisionismus am Ausgang des 19. Jahrhunderts bedeutete nur eine Vorstufe zu den großen revolutionären Schlachten des Proletariats, das trotz aller Schwankungen und Schwächen des Spießbürgertums dem vollen Sieg seiner Sache entgegenschreitet.“ [51]

 

In seinem berühmten Buch zum “Linken Kommunismus”, in dem Lenin die Erfahrung der Bolschewiki zusammenfasste, erklärte er die Wichtigkeit der ideologischen Kämpfe gegen kleinbürgerliche und bürgerliche Strömungen als Vorbereitung auf die Klassenkämpfe.

 

Die Jahre der Vorbereitung der Revolution (1903—1905). Überall ist das Nahen des großen Sturmes zu spüren. In allen Klassen Gärung und Vorbereitung. Die Emigrantenpresse im Ausland wirft theoretisch alle Grundfragen der Revolution auf. Die Vertreter der drei Hauptklassen, der drei wichtigsten politischen Strömungen — der bürgerlich-liberalen, der kleinbürgerlich-demokratischen (die sich hinter den Aushängeschildern der „sozial-demokratischen" und der „sozial-revolutionären" Richtung verbirgt) und der proletarisch-revolutionären —, nehmen im äußerst erbitterten Kampf der programmatischen und taktischen Auffassungen den kommenden offenen Kampf der Klassen vorweg und bereiten ihn vor. Alle Fragen, um derentwillen der bewaffnete Kampf der Massen in den Jahren 1905—1907 und 1917—1920 geführt wurde, kann (und soll) man in ihrer Keimform, an Hand der damaligen Presse verfolgen. Und zwischen den drei Hauptrichtungen gibt es natürlich eine Unmenge Zwischen-, Übergangs- und Halbgebilde. Richtiger: im Kampf der Presseorgane, Parteien, Fraktionen und Gruppen kristallisieren sich jene ideologischen und politischen Richtungen heraus, die wirklich klassenmäßig bestimmt sind; die Klassen schmieden sich die nötigen ideologischen und politischen Waffen für die kommenden Schlachten.“[52]

 

Später verallgemeinerte die Kommunistische Internationale diese Erfahrung in einem Dokument, das auf dem Zweiten Kongress verabschiedet wurde:

 

Seit zwei Jahrzehnten wie in Russland, seit einer Reihe von Jahren wie in Deutschland, führt die kommunistische Partei ihren Kampf nicht nur gegen die Bourgeoisie, sondern auch gegen diejenigen “Sozialisten”, welche die Träger der bürgerlichen Beeinflussung des Proletariats sind; sie nahm in ihre Reihen die standhaftesten, weitsichtigsten und fortgeschrittensten Kämpfer der Arbeiterklasse auf. Nur bei Vorhandensein einer derartigen geschlossenen Organisation der Elite der Arbeiterklasse ist es möglich, alle die Schwierigkeiten zu überwinden, die sich der Arbeiterdiktatur am Tage nach dem Siege in den Weg stellen.[53]

 

In den Spalten der Presse, in den Volksversammlungen, den Gewerkschaften, den Genossenschaften - überall, wohin die Anhänger der III. Internationale Zutritt erlangen, muß man nicht nur die Bourgeoisie, sondern auch ihre Helfershelfer, die Reformisten aller Schattierungen, systematisch und unbarmherzig brandmarken. [54]

 

Trotzki teilte die Lehren der Bolschewiki und der Kommunistischen Internationale, wie er im Gründungsprogramm der Vierten Internationale festhielt:

 

Die IV. Internationale erklärt der Bürokratie der II. und III. Internationale, der Internationale von Amsterdam und der Anarcho-syndikalistischen Internationale sowie ihren zentristischen Satelliten einen unversöhnlichen Krieg; ebenso dem Reformismus ohne Reformen, dem mit der GPU verbündeten Demokratismus, dem Pazifismus ohne Frieden, dem Anarchismus im Dienst der Bourgeoisie, den „Revolutionären“, die die Revolution tödlich fürchten. All diese Organisationen sind nicht Bürgen der Zukunft, sondern faulende Überbleibsel der Vergangenheit. Die Epoche der Kriege und Revolutionen wird von ihnen keinen Stein auf dem anderen lassen. [55]

 

 

 

Nationaler und internationaler Parteiaufbau müssen Hand in Hand gehen

 

 

 

Von Beginn an muss eine wahrhaft revolutionäre Partei oder ihre Vorform ein internationales Gebilde sein. Dieses Prinzip wurzelt im Wesen des Kapitalismus und der ArbeiterInnenklasse, die beide von Natur aus international sind. Nur als internationale Organisation können wir eine wirklich internationale Perspektive entwickeln, internationale Erfahrungen verinnerlichen und als internationalistische RevolutionärInnen arbeiten. Wenn eine Gruppe zu lang als nationale Organisation besteht, läuft sie ernsthaft Gefahr, eine national-bornierte Erfahrung und Perspektive zu entwickeln.

 

Außerdem entspricht der internationale Charakter der Partei dem Wesen des revolutionären Programms und Tätigkeitsfelds. Wie das revolutionäre Programm nur leben, atmen und sich in einer Organisation revolutionärer KämpferInnen entwickeln kann, so kann das internationale Programm wie auch der proletarische Internationalismus und die länderübergreifende Solidarität nur in einer internationalen Organisation bestehen. Ohne sie sind Nationalborniertheit und letztlich nationalistische Abweichungen unausweichlich.

 

Trotzki bemerkte einmal richtig: “Marxistische Politik ‘in einem Land’ ist genauso unmöglich wie der Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft ‘in einem Land’.” [56]

 

Diese Auffassung stimmt sowohl für eine Partei wie auch für ihre Vorform, wie Trotzki in zahlreichen Artikeln und Briefen erklärte:

 

„Von ihren allerersten Schritten an muss die Opposition daher als internationale Fraktion handeln – wie es die Kommunisten in den Tagen der Veröffentlichung des Kommunistischen Manifests taten oder die Zimmerwalder Linke zu Beginn des Kriegs. In all diesen Fällen waren die Gruppen nummerisch klein oder es handelte sich um isolierte Individuen; nichtsdestotrotz handelten sie als internationale Organisation. In der Epoche des Imperialismus ist eine solche Position hundertmal zwingender als zu Zeiten Marx’.

 

Wer glaubt, dass die internationale Linke eines Tages sich als Summe nationaler Gruppen von selbst bilden wird und dass daher die internationale Vereinigung auf unbestimmte Zeit verschoben werden kann, bis die nationalen Gruppen ‘stark genug geworden’ sind, gesteht dem internationalen Faktor nur untergeordnete Wichtigkeit zu und geht daher den Weg des nationalen Opportunismus.

 

Es ist nicht zu leugnen, dass jedes Land seine Eigenheiten hat; doch in unserer Epoche können diese Eigenheiten nur von einem internationalistischen Standpunkt aus untersucht und auf revolutionäre Weise genützt werden. Andererseits kann nur eine internationale Organisation Träger einer internationalen Ideologie sein.

 

Kann jemand ernsthaft glauben, dass isolierte oppositionelle nationale Gruppen, untereinander gespalten und auf sich alleine gestellt, dazu imstande sind, den richtigen Weg von selbst zu finden? Das ist ein sicherer Weg in die nationale Degeneration, ins Sektierertum und den Ruin. Die Aufgaben, die der internationalen Opposition bevorstehen, sind extrem schwierig. Nur in unauflöslicher Bindung aneinander, nur durch gemeinsame Erarbeitung der Antworten auf all die gegenwärtigen Probleme, nur in der Schaffung ihrer internationalen Plattform, nur durch wechselseitige Überprüfung jeden Schritts, dass heißt nur über die Vereinigung in einen einzigen internationalen Körper werden die nationalen Gruppen der Opposition ihre historische Aufgabe erfüllen können.“ [57]

 

Wie viele Zentristen heute fanden verschiedene Gruppen in den 1930ern “Argumente”, um die Gründung einer internationalen Organisation für “vorzeitig” zu erklären. In der Antwort auf solche Kritik seitens italienischer Bordegisten schrieb Trotzki 1930:

 

Ihre Auffassung von Internationalismus scheint mir falsch zu sein. Für Sie ist die Internationale letztlich die Summe der nationalen Sektionen oder ein Resultat der wechselseitigen Beziehungen zwischen den nationalen Sektionen. Das ist eine zumindest einseitige, nicht dialektische und darum falsche Vorstellung von der Internationale. Bestünde die kommunistische Linke in der ganzen Welt nur aus fünf Personen, so müssten diese gleichwohl gleichzeitig mit einer oder mehreren nationalen Organisationen auch eine internationale Organisation aufbauen. Die nationale Organisation als das Fundament und die internationale als ein Dach zu betrachten, ist falsch. Es handelt sich da um eine Wechselwirkung ganz anderen Typs. Marx und Engels begründeten 1847 die kommunistische Bewegung mit einem internationalen Dokument und mit der Gründung einer internationalen Organisation. Gerade so ging es bei der Gründung der Ersten Internationale. Den gleichen Weg beschritt die Zimmerwalder Linke, als sie die Gründung der III. Internationale vorbereitete. Dieses Vorgehen ist jetzt noch viel zwingender als zur Zeit von Marx. In der Epoche des Imperialismus kann eine revolutionäre proletarische Strömung natürlich in einem Land früher entstehen und Gestalt annehmen als in einem anderen, aber in einem einzelnen Land kann sie nicht bestehen und sich entwickeln. Noch am Tage ihrer Gründung muss sie internationale Verbindungen suchen oder schaffen, eine internationale Plattform und eine internationale Organisation, da man nur auf diesem Wege herausfinden kann, ob eine nationale Politik richtig ist. Eine Strömung, die jahrelang in nationaler Isolation verharrt, verurteilt sich unweigerlich zur Degeneration”.[58]

 

In einem anderen Dokument kritisierte Trotzki 1935 die deutsche Sozialistische Arbeiterpartei (SAP) an:

 

„Wo liegt das ‘tiefgreifende Problem’ in dieser Frage? Man beachte, objektiv ist die neue Internationale notwendig, doch subjektiv ist sie unmöglich. Einfacher ausgedrückt, ohne die neue Internationale wird das Proletariat zerdrückt, doch die Massen verstehen das noch nicht. Und was sonst ist die Aufgabe von Marxisten, wenn nicht die, den subjektiven Faktor auf das Niveau des objektiven zu heben und das Bewusstsein der Massen näher an das Verständnis der historischen Notwendigkeit zu bringen – in anderen Worten, den Massen ihre eigenen Interessen zu erklären, die sie noch nicht verstehen? Das ‘tiefgreifende Problem’ der Zentristen ist tiefgreifende Feigheit angesichts der großen und unaufschiebbare Aufgabe. Die Führer der SAP verstehen die Wichtigkeit klassenbewusster revolutionärer Aktivität in der Geschichte nicht.“ [59]

 

Im gleichen Geist schrieb Trotzki 1939 an die französischen Piveristen:

 

„Ohne über eine Lehre, revolutionäre Tradition, ein klares Programm, Massen zu verfügen, verkündet ihr furchtlos eine neue Partei. Mit welchem Recht? Offensichtlich glaubt ihr, dass eure Ideen euch das Recht geben, die Massen zu gewinnen, nicht wahr? Warum wendet ihr dann nicht dasselbe Kriterium auf die Internationale an? Nur weil ihr nicht wisst, wie ihr euch einen internationalen Standpunkt erarbeiten könnt. Eine nationale Partei (auch in der Form einer Aufbauorganisation) ist für euch eine Lebensnotwendigkeit, doch eine internationale Partei gleicht einem Luxus und der kann warten. Das ist schlecht, Guérin, sehr schlecht!“ [60]

 

In der Anwendung der Parteiprinzipien weisen wahrhafte MarxistInnen es zurück, einen qualitativen Unterschied zwischen nationalem und internationalem Parteiaufbau zu machen. Eine internationale Partei oder ihre Vorform muss auf Grundlage des internationalen demokratischen Zentralismus gegründet werden, d.h. mit einer international einheitlichen programmatischen Linie, Disziplin und Führung. Gegen zentristische Verzerrungen darf es keine Zugeständnisse an rückständige Nationalborniertheit geben – weder im Programm noch im Parteiaufbau.

 

Der Aufbau einer internationalen Organisation ist immer eine zentrale Aufgabe – für die Partei genauso wie für ihre Vorform. Eine kleinere Parteiaufbauorganisation ist nicht weniger von den materiellen Umständen beeinflusst als eine Partei. Nationalborniertheit ist zerstörerisch für RevolutionärInnen ungeachtet ihrer Anzahl. Die Gesetze des Materialismus – “Das Sein bestimmt das Bewusstsein” – gelten unter allen Umständen! Eine kleine nationale Organisation, die es ablehnt, gleichzeitig international zu wachsen, wird letztlich von Nationalborniertheit zerfressen werden und verliert ihren revolutionären Charakter, wenn sie ihre Ausrichtung nicht energisch korrigiert und sich als Organisation dem Internationalismus praktisch zuwendet.

 



[1] Komintern: Leitsätze über den organisatorischen Aufbau der kommunistischen Parteien, über die Methoden und den Inhalt ihrer Arbeit. Resolution des III. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale, in: Die Kommunistische Internationale, Manifeste, Thesen und Resolutionen, Band II, Köln 1984, S.106

[2] Komintern: Leitsätze über den organisatorischen Aufbau der kommunistischen Parteien, S.106

[3] Leo Trotzki: Zur Philosophie der Bürokratie, in Trotzki Schriften 3.3, S. 125

[4] Abram Deborin: Lenin – der kämpfende Materialist, 1924, S. 11

[5] Iwan K. Luppol: Lenin und die Philosophie. Zur Frage des Verhältnisses der Philosophie zur Revolution (1928), S. 115

[6] Leo Trotzki: An die spanische Jugend (1932); in: Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Band 1, S. 164f.

[7] Leon Trotsky: Letter to a Friend in France (1939), in: Leon Trotsky: On France, Monad Press, New York 1979, S. 210 (unsere Übersetzung)

[8] Lenin selbst wies darauf hin: „Es wird ein hartnäckiger Krieg sein. Wir haben es verstanden, lange Jahre vor der Revolution zu arbeiten. Nicht umsonst hat man uns die Felsenfesten genannt.“ (W. I. Lenin: Politische Notizen (1908), in: LW Bd. 13, S. 452)

[9] Leo Trotzki: Über die Gründung der IV. Internationale (1938) in: Der Todeskampf des Kapitalismus und die Aufgaben der IV. Internationale. Schriften zum Programm, S. 110f.

[10] Leo Trotsky: How Revolutionaries are formed (1929), in: Trotsky Writings, Bd. 1929, S. 192f.

[11] So der Bericht des französischen Trotzkisten Gerard Rosenthal nach seinem Besuch bei Trotzki; zitiert in: Leo Trotzki 1879-1940. In den Augen von Zeitzeugen, S. 120

[12] James P. Cannon: Der Kampf für eine proletarische Partei, Frankfurt a.M. 1982, S.28

[13] Leon Trotsky: On the fresh grave of Kote Tsintsadze (1930); in: Writings 1930-31, S. 123 (unsere Übersetzung). Siehe auch Leon Trotsky: What to Expect from the Sixth Congress (1928), in: Leon Trotsky: The Challenge of the Left Opposition (1928-29), S. 155. Tsintsadze war ein alter Bolschewiki georgischen Ursprungs, der – wie Kamo – an zahlreichen bewaffneten Aufständen auf Geheiß der Partei teilnahm. Während des Bürgerkriegs wurde er zum Leiter der Tscheka im Kaukasus und unterstützte Trotzkis Linke Opposition von ihrem Beginn im Jahre 1923 an. Er starb 1930 unter den harten Bedingungen des Exils, zu dem ihn Stalins Regime verurteilt hatte. (Siehe: Boris Souvarine: Stalin - Anmerkungen zur Geschichte des Bolschewismus, Verlag Bernard & Graefe, München 1980, S. 111-114, 449 und 524.

[14] W. I. Lenin: Was tun? (1902), in: LW Bd. 5, S. 379. Lenin wiederholte später diesen Grundsatz immer wieder: „Ohne Programm ist eine Partei als einigermaßen geschlossener politischer Organismus, der bei jeder Wendung der Ereignisse stets die Linie einzuhalten vermag, unmöglich.“ (W. I. Lenin: Über die Wahlkampagne und die Wahlplattform (1911); in: LW Bd. 17, S. 269)

[15] Leo Trotzki: Weitere Diskussionen über das Übergangsprogramm (1938) in: Der Todeskampf des Kapitalismus und die Aufgaben der IV. Internationale. Schriften zum Programm, S. 62

[16] Leo Trotzki: Der Neue Kurs (1923); in: Trotzki Schriften Band 3.1., Hamburg 1997, S. 252

[17] Leo Trotzki: Die Lehren des Oktober (1924); in: Die Linke Opposition in der Sowjetunion 1923-1928, Band II, S. 196

[18] Nebenbei bemerkt sei gesagt, dass sogar jene passiven Sekten, die sich vom Druck des Klassenkampfes abkapseln, indem sie daran nicht teilnehmen, einen hohen politischen Preis für ihre Isolierung von den Massen zahlen und dass sie früher oder später trotzdem dem Klassendruck zum Opfer fallen werden, weil menschliche Wesen nicht in Isolation leben können.

[19] Leo Trotzki: Die Verteidigung der Sowjetrepublik und die Aufgaben der Opposition (1929); in: Trotzki Schriften Band 1.1., Hamburg 1988, S. 119

[20] W. I. Lenin: Was weiter? (Über die Aufgaben der Arbeiterparteien gegenüber dem Opportunismus und Sozialchauvinismus) (1915), in: LW Bd. 21, S. 99

[21] W. I. Lenin: Die Niederlage Russlands und die revolutionäre Krise (1915), in: LW Bd. 21, S. 385

[22] Leo Trotzki: Erklärung der Vierundachtzig (1927); in: Trotzki Schriften Band 3.2., Hamburg 1997, S. 743 (Hervorhebung im Original)

[23] The Case of Leon Trotsky. Report of Hearings on the Charges Made Against Him in the Moscow Trials by the Preliminary Commission of Inquiry into the Charges Made Against Trotsky in the Moscow Trials (1937), New York 1968, S. 384 (unsere Übersetzung)

[24] Rosa Luxemburg: Rede über die sozialistische Taktik (am Internationalen Sozialistenkongreß vom 14.- 20. August 1904 in Amsterdam); in: Gesammelte Werke Band 1.2, S. 446

[25] Leo Trotzki: Kritik des Programmentwurfs für die Kommunistische Internationale (1928); in: Schriften 3.2, S. 1315 (Hervorhebung im Original)

[26] Leo Trotzki: Nochmals über Brandler und Thalheimer (12.6.1929), in: Schriften über Deutschland, S. 743

[27] W. I. Lenin: Die revolutionären Marxisten auf der internationalen sozialistischen Konferenz vom 5.-8. September 1915 (1915), in: LW Bd. 21, S. 398-400

[28] Komintern: Leitsätze über den organisatorischen Aufbau der kommunistischen Parteien, über die Methoden und den Inhalt ihrer Arbeit, S.107

[29] Komintern: Leitsätze über die Grundaufgaben der Kommunistischen Internationale, (1920), in: Die Kommunistische Internationale, Manifeste, Thesen und Resolutionen, Band I, Köln 1984, S. 160

[30] Komintern: Leitsätze über die Rolle der Kommunistischen Partei in der proletarischen Revolution, S.170

[31] Leo Trotzki: Aussichten und Aufgaben im Osten. Rede bei der Feier zum dreijährigen Bestehen der Kommunistischen Universität der Werktätigen des Ostens (21. April 1924); in: Schriften 2.1 (Über China), S. 62

[32] Leo Trotzki: Das Übergangsprogramm (1938) in: Der Todeskampf des Kapitalismus und die Aufgaben der IV. Internationale. Schriften zum Programm, S. 42

[33] Leo Trotzki: Von einer Schramme – zur Gefahr der Knochenfälle (1940); in: Leo Trotzki: Verteidigung des Marxismus, Berlin 1997, Band II, S. 151

[34] Leon Trotsky: Closer to the Proletarians of the Colored Races (1932), in: Trotsky Writings, Bd. 1932, S. 112 (unsere Übersetzung). Siehe auch den folgenden Auszug aus einem Brief Trotzkis an die US-amerikanische Linke Opposition aus dem Jahre 1929:

“Soweit ich es beurteilen kann, übernahm Ihre offizielle Kommunistische Partei nicht wenige Merkmale der alten sozialistischen Partei. Das wurde mir klar, als es Pepper gelang, die amerikanische kommunistische Partei in das skandalöse Abenteuer mit der Partei LaFollettes hineinzuziehen. Diese minderwertige Politik des parlamentarischen Opportunismus wurde durch ‘revolutionäres’ Gerede verdeckt, laut dem die soziale Revolution in den Vereinigten Staaten nicht durch das Proletariat, sondern durch die ruinierten Farmer vollzogen werden würde. Als Pepper mir diese Theorie bei seiner Rückkehr aus den Vereinigten Staaten verkündete, dachte ich, dass ich es mit einem seltsamen Fall individueller Verirrung zu tun hätte. Mit einiger Mühe erkannte ich, dass es sich um ein gesamtes System handelt und dass die amerikanische kommunistische Partei in dieses System hineingezogen worden war. Dann wurde mir klar, dass diese kleine Partei sich nicht ohne tiefe innere Krisen entwickeln konnte, die sie gegen den Pepperismus und andere böse Krankheiten wappnen würden. Ich kann sie nicht Kinderkrankheiten nennen. Im Gegenteil, es sind Alterskrankheiten, Krankheiten der bürokratischen Sterilität und revolutionären Impotenz.

Deshalb vermute ich, dass die kommunistische Partei viele der Eigenschaften der sozialistischen Partei übernommen hat, die mich trotz ihrer Jugend mit Anzeichen von Altersschwäche erstaunt hat. Für die Mehrheit dieser Sozialisten – ich hatte mit der Führungsschicht zu tun – ist Sozialismus ein Hobby, eine zweitrangige Beschäftigung für ihre Freizeitstunden. Diese Gentlemen widmen sich sechs Tage in der Woche ihren liberalen oder kommerziellen Berufen, schließen ihre Geschäfte nicht ohne Erfolg ab und am siebten Tag widmen sie sich der Beruhigung ihres Gewissens. In meinen Memoiren (Mein Leben, d.Hg.) versuchte ich diesen Typus des sozialistischen Babbit zu skizzieren. Offensichtlich haben es nicht wenige dieser Gentlemen geschafft, sich als Kommunisten zu verkleiden. Sie sind keine intellektuellen Gegner, sie sind Klassenfeinde. Die Opposition darf ihre Orientierung nicht auf die kleinbürgerlichen Babbits ausrichten, sondern auf die proletarischen Jimmie Higginses, für die die Idee des Kommunismus zum Inhalt ihres gesamten Lebens und Tuns wird, wenn sie einmal davon inspiriert sind. Es gibt nichts Ekelhafteres und Gefährlicheres in der revolutionären Aktivität als kleinbürgerlichen Dilettantismus, konservativ, egoistisch, selbstverliebt und unfähig zu Opfern im Namen einer großen Idee. Die fortschrittlichen Arbeiter müssen sich eine einfache, aber unumstößliche Regel zu eigen machen: Jene Führer oder Kandidaten zur Führung, die im friedlichen Alltag nicht bereit sind, ihre Zeit, ihre Kraft, ihre Mittel der Sache des Kommunismus zu opfern, werden in einer revolutionären Periode meist zu echten Verrätern oder wenden sich dem Lager jener zu, die abwarten, auf welche Seite der Sieg fällt. Wenn solche Elemente an der Spitze einer Partei stehen, werden sie diese unzweifelhaft ruinieren, wenn große Prüfungen anstehen. Und nicht besser sind jene hirnlosen Bürokraten, die bei der Komintern anheuern, wie sie es auch bei einem Notar tun würden und sich jedem neuen Boss gehorsam unterordnen.

Natürlich mag die Opposition – d.h. die Bolschewiki-Leninisten – ihre Mitläufer haben, die ohne sich selbst ganz der Revolution zu widmen, diesen oder jenen Dienst der Sache des Kommunismus widmen. Es wäre natürlich falsch, davon keinen Gebrauch zu machen. Sie können ein wesentlicher Beitrag zur Arbeit sein. Doch Mitläufer, auch die ehrlichsten und ernsthaftesten, sollten nicht an die Führung gelangen. Die Führung muss in ihrer Alltagsarbeit mit jenen verbunden sein, die sie führt. Ihre Arbeit muss vor den Augen der Massen vorangetrieben werden, egal wie klein die Massen zum gegebenen Moment sein mögen. Ich würde keinen Cent für eine Führung geben, die per Telegramm aus Moskau oder sonstwo abgerufen werden kann, ohne dass es die Massen bemerken. Eine solche Führung bedeutet vor vornherein den sicheren Bankrott. Wir müssen unseren Kurs auf die jungen Proletarier ausrichten, die wissen und kämpfen wollen und die zu Begeisterung und Selbstaufopferung fähig sind. Aus solchen Leuten müssen wir die wahren Kader der Partei und des Proletariats heranziehen und ausbilden.

Jedes Mitglied der organisierten Opposition sollte verpflichtet werden, einige junge Arbeiter unter seinen Fittichen zu haben, Jungs ab 14 oder 15 Jahren, um mit ihnen in fortwährendem Kontakt zu sein, ihnen bei ihrer Selbstbildung zu helfen, sie in den Fragen des wissenschaftlichen Sozialismus zu lehren und systematisch in die revolutionäre Politik der proletarischen Avantgarde einzuführen. Ein Mitglied der Opposition, das für eine solche Arbeit unzureichend ausgestattet ist, sollte junge Proletarier, die sie rekrutiert hat, an entwickelte und erfahrene Genossen übergeben. Wer sich vor harter Arbeit fürchtet, den wollen wir nicht. Die Berufung eines revolutionären Bolschewiken bringt Verpflichtungen mit sich. Die erste dieser Verpflichtungen ist der Kampf um die proletarische Jugend, um einen Weg zu ihrer unterdrücktesten und verwahrlosesten Schichten zu finden. Sie stehen zuerst unter unserem Banner.

Die Gewerkschaftsbürokraten wie auch die Bürokraten des falschen Kommunismus leben in der Atmosphäre aristokratischer Vorurteile der Oberschicht der Arbeiter. Es wird eine Tragödie, wenn die Oppositionellen auch nur im Entferntesten mit diesen Haltungen liebäugeln. Wir müssen diese Vorurteile zurückweisen und verurteilen; wir müssen jede Spur davon aus unserem Bewusstsein tilgen; wir müssen den Weg zu den Ärmsten finden, zur dunkelsten Schicht des Proletariats, beginnend bei den Schwarzen, die die kapitalistische Gesellschaft zu Parias gemacht hat und die uns als revolutionäre Brüder sehen lernen sollen. Und das hängt völlig von unserer Energie und Hingabe an die Arbeit ab. (Leon Trotsky: A Letter to the American Trotskyists (1929), in: Trotsky Writings 1929, pp. 133-134, unsere Übersetzung)

[35] Leon Trotsky: On Students and Intellectuals (1932), in: Trotsky Writings, Bd. 1932, S. 333

[36] Leon Trotsky: Against Centrism at the Youth Conference (1934), in: Trotsky Writings, Supplements 1934-40, S. 452

[37] W. I. Lenin: Die Krise des Menschewismus (1906), in: LW Bd. 11, S. 352

[38] Leo Trotzki: Verratene Revolution. Was ist die Sowjetunion und wohin treibt sie? (1936), in: in: Trotzki Schriften Band 1.1., Hamburg 1988, S. 119

[39] David Lane: The Roots of Russian Communism, S. 36f.

[40] Leon Trotsky: Fusion with the Lovestonites? (1938), in: Writings Supplements 1934-40, S. 777 (unsere Übersetzung)

[41] Zitiert bei Alexandra Kollontai: Ich habe viele Leben gelebt… Autobiographische Aufzeichnungen. Dietz, Berlin 1987, S. 107

[42] Komintern: Leitsätze über den organisatorischen Aufbau der kommunistischen Parteien, über die Methoden und den Inhalt ihrer Arbeit, S.109f.

[43] Komintern: Leitsätze über die Rolle der Kommunistischen Partei in der proletarischen Revolution, S.174

[44] Komintern: Leitsätze über den organisatorischen Aufbau der kommunistischen Parteien, über die Methoden und den Inhalt ihrer Arbeit, S.137f.

[45] Komintern: Leitsätze über den organisatorischen Aufbau der kommunistischen Parteien, über die Methoden und den Inhalt ihrer Arbeit, S.135

[46] James P. Cannon: E.V. Debs (1956); in: James P. Cannon: The First Ten Years of American Communism, Pathfinder Press, New York 1962, S. 270 (unsere Übersetzung)

[47] Leo Trotzki: Der einzige Weg (1932), in: Leo Trotzki: Schriften über Deutschland, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1971, S. 378

[48] Leon Trotsky: Centrism and the 4th International (1939); in: Leon Trotsky: On France, New York 1979, S. 214 (Hervorhebung im Oiginal; unsere Übersetzung)

[49] Leon Trotsky: Centrist Alchemy or Marxism? (1935); in: Writings 1934-35, S. 258 (Hervorhebung im Original)

[50] Programm der Kommunistischen Partei Rußlands (Bolschewiki) (1919); in: Boris Meissner: Das Parteiprogramm der KPdSU 1906-1961, Köln 1962, S. 124;

[51] W. I. Lenin: Marxismus und Revisionismus (1908), in: LW Bd. 15, S. 28

[52] W.I. Lenin: Der „ linke Radikalismus", die Kinderkrankheit im Kommunismus: in LW Bd. 31, S. 11

[53] Komintern: Leitsätze über die Rolle der Kommunistischen Partei in der proletarischen Revolution, S.173

[54] Leitsätze über die Bedingungen der Aufnahme in die Kommunistische Internationale. Resolution des II. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale, in: Die Kommunistische Internationale, Manifeste, Thesen und Resolutionen, Band I, Köln 1984, S.162

[55] Leo Trotzki: Das Übergangsprogramm (1938) in: Der Todeskampf des Kapitalismus und die Aufgaben der IV. Internationale. Schriften zum Programm, S. 39

[56] Leon Trotsky: Unifying the Left Opposition (1930); in: Writings 1930, S. 99 (unsere Übersetzung)

[57] Leon Trotsky: An Open Letter to All Members of the Leninbund (1930); in: Writings 1930, S. 91f. (unsere Übersetzung)

[58] Leo Trotzki: Brief an die Redaktion von Prometeo (9. 6.1930), in: Trotzki-Schriften 3.3, S. 296

[59] Leon Trotsky: Centrist Alchemy Or Marxism? (1935); in: Writings 1934/35, S. 262f. (Hervorhebung im Original; unsere Übersetzung)

[60] Leon Trotsky: Centrism and the Fourth International (1939); in: Leon Trotsky: On France, New York 1979, S. 223 (unsere Übersetzung)

 

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