Für Frauenbefreiung! Kampf gegen Gewalt an Frauen!

Resolution der 1. Ordentlichen Konferenz der Revolutionär-Kommunistischen Organisation BEFREIUNG (RKOB) im Jahr 2014 (und 25. Konferenz unserer Strömung), www.thecommunists.net

 

Im deutschsprachigen Raum hat jede vierte Frau zwischen 16. und 85.Jahren schon in einer Beziehung von ihrem männlichen Partner mehrfach Gewalt erfahren. Fast jede Frau erlebt im Laufe der Jahre Gewalt. Die offensichtlichsten Formen sind körperliche Misshandlungen und sexueller Missbrauch. Frauen werden genauso aber auch verfolgt, gegen ihren Willen festgehalten, in ihren Freiheiten eingeschränkt (bspw. Verfügen über das eigene Geld) und soweit erniedrigt, dass sie ihre Unterdrückung rechtfertigen und selber gegen Schwächere – so zum Beispiel andere Frauen und ihre eigenen Kinder – gewalttätig werden. Frauen werden oft in die Prostitution gezwungen. All das ist ein unlösbarer Bestandteil des Kapitalismus. Das System lebt davon, nicht nur die ArbeiterInnenklasse auszubeuten, sondern auch bestimmte Schichten der Gesellschaft, so auch Frauen zu unterdrücken und in ihrer Mehrheit überauszubeuten. Somit erfahren Frauen nicht nur Gewalt, sondern werden überall benachteiligt. Sie verdienen im Schnitt um ein Viertel weniger als Männer bei gleicher Arbeit! Entsprechend sind sie schwächer gewerkschaftlich organisiert.

 

Die heuchlerischen Imperialisten

 

Die Frauenunterdrückung hat eine Jahrtausende alte Geschichte und ist heute in jedem Land Gang und Gebe. In den armen, halbkolonialen Länder dieser Welt findet Frauenunterdrückung zumeist ungeschminkt statt, während sie in den reichen, imperialistischen Ländern wie den USA, breiten Teilen Westeuropas und Australien so wie weniger ausgeprägt in Japan, Südafrika, Russland und China genauso existiert, aber oft hinter heuchlerischen Parolen der Aufklärung und Gleichberechtigung versteckt wird.

Mehr noch als das: Die angebliche „Fortschrittlichkeit“ der reichen, imperialistischen Länder in der Frauenfrage ist erkauft auf den Rücken der armen Länder. Ihr Reichtum basiert nämlich zu einem guten Teil auf der Überausbeutung der armen Länder, und in diesen besonders der Frauen und Kinder. Westeuropa kann sich zum Beispiel sehr leicht als aufgeklärter Kontinent ausgeben, der gegen Frauenunterdrückung Stellung nimmt. Gleichzeitig sind es unter anderem die europäischen Konzerne in Bangladesh, die Fabrikarbeiterinnen in 19-Stunden Schichten zu Tode schuften lassen und sie mit allen Mitteln, so auch Schlägen und Vergewaltigungen zur Arbeit zwingen.

Umso beeindruckender sind die Kämpfe der Textilarbeiterinnen Bangladeshs im November 2013, wie auch die Massenbewegungen gegen Gewalt an Frauen in Indien. Die sich organisierenden Massen der Unterdrückten in den halbkolonialen Ländern zeigen den Weg zur Befreiung der Frauen und einem Ende der Gewalt gegen sie. Die Gewaltfrage muss dabei eng verbunden werden mit der Überausbeutung der Arbeiterfrauen im Kapitalismus und der massiven Unterdrückung der armen und der bäuerlichen Frauen. Nur die Zerschlagung des Kapitalismus, nur die Enteignung der Kapitalisten und der Sturz ihrer Regierungen durch eine Weltrevolution der ArbeiterInnenklasse kann die Befreiung der Frauen aus ihrer Unterdrückung und der Gewalt einläuten.

 

Die Unterdrückung der Frau im Stalinismus

 

Auf dem Weg dieser Befreiung sind es nur die konsequenten revolutionären Kämpferinnen und Kämpfer, die den Widerstand organisieren und führen können. Die Anhänger des Stalinismus haben oft genug bewiesen, wie widerwärtig und unterdrückerisch ihre Frauenpolitik ist. Während die sozialistische Revolution, getragen von den ArbeiterInnen und armen Bauern/Bäuerinnen Russlands, im Jahre 1917 zum ersten Mal in der Geschichte das Recht auf Abtreibung erkämpft hat, waren es die Stalinisten, die dieses Recht Jahre später in den 1930er Jahren wieder abgeschafft haben. Stattdessen wurden Auszeichnungen wie “Mutter- Ruhm” und “Mutter- Heldin” – ähnlich wie das Mutterkreuz im Nazi-Reich – eingeführt als Verdienstabzeichen für Frauen, die viele Kinder zur Welt bringen. Die Truppen des syrischen Diktators Assad, der von Stalinisten wie der KJÖ als Held gehandhabt wird, sind bekannt für Massenvergewaltigungen und Folterungen von Frauen. In Kuba ist Prostitution ein Hauptbestandteil des wichtigsten Wirtschaftssektors – des Tourismus. Gleichzeitig wird das kapitalistische Kuba von Stalinisten mit Zähnen verteidigt und als sozialistisch bezeichnet. Vergewaltigung, Prostitution, Rechtlosigkeit ist das Schicksal das die engsten Freunde und Helden der Stalinisten für Frauen vorsehen.

 

Prostitution ist Gewalt gegen Frauen

 

Die Prostitution ist eine gesellschaftlich weit verbreitete und für die kapitalistischen Staaten lukrative Form der Gewalt an Frauen. So wie die Ausbeutung der ArbeiterInnenklasse ist die Prostitution nichts was freiwillig begangen wird. Frauen werden in dieses „Gewerbe“ hineingezwungen. Gleichzeitig wäre es falsch das Verbot der Prostitution zu fordern, solange es Kapitalismus gibt. Denn im Kapitalismus bedeutet ein Verbot nur Strafe für die Prostituierten. Sie werden damit vor die Wahl gestellt zu verhungern oder gegen das bürgerliche Gesetz zu verstoßen. Die Abschaffung der Prostitution, ihr Verbot ist Aufgabe des sozialistischen ArbeiterInnenstaates, nicht des kapitalistischen Unterdrückerstaates.

Die Gewalt gegen Frauen, wie jede andere Gewalt gegen Schwächere und Unterdrückte, ist zentraler Bestandteil des Kapitalismus. Die Organisierung von Frauen in revolutionäre Bewegungen ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Zerschlagung des Kapitalismus und dem Absterben der Frauenunterdrückung. Frauen erfahren Gewalt in erster Linie durch Familienmitglieder. Sie werden nach wie vor gezwungen die Hausarbeit und Kinderbetreuung, die für das Überleben der Gesellschaft notwendig sind, fast alleine auf ihren Schultern zu tragen. Die Familie darf nicht mehr ein Raum des Schreckens für so viele Frauen sein. Die gesamte Gesellschaft muss den Zusammenhalt, zwischenmenschliche Nähe und Schutz bieten, der heutzutage auf die Familie beschränkt wird. Nur wenn die Isoliertheit der Familie aufgebrochen wird, kann verhindert werden, dass so viele Frauen zu Opfern von Gewalt in der Familie werden.

 

Aktionsprogramm gegen Gewalt an Frauen

 

* Gegen jede Form von Gewalt an Frauen! Massive Investition in die flächendeckende Schaffung von selbst verwalteten Frauenhäusern, in denen für alle Opfer von Gewalt Platz ist! Für den Aufbau von Selbstverteidigungseinheiten, unterstützt von der ArbeiterInnenbewegung, um sich gegen jeden Angriff auf diese Einrichtungen wehren zu können!

* Für eine breite Kampagne der ArbeiterInnenbewegung gegen Gewalt an Frauen! Regelmäßige Versammlungen in Schulen, Betrieben, Stadtteilen und Dörfern von Frauen, um sich austauschen zu können, jede Form von Gewalt gegen Frauen rechtzeitig zu erkennen und gemeinsam dagegen vorgehen zu können!

* Für die vollkommene Gleichstellung der Frau in allen Lebensbereichen! Allen voran: Gleicher Lohn für Gleiche Arbeit!

* Für die Vergesellschaftung der Hausarbeit! Sprich: Öffentliche, flächendeckende und kostenlose Wäschereien, Kantinen sowie Kinderbetreuungseinrichtungen müssen geschaffen werden! Damit wird Hausarbeit nicht mehr private Aufgabe, sondern Teil der gesellschaftlichen Arbeit. Nur so kann das Joch der unbezahlten Hausarbeit und der Kinderbetreuung von den Schultern der Frauen genommen werden! Um das zu finanzieren: Enteignung der Superreichen und Verstaatlichung der Großunternehmen und Banken unter Kontrolle der Beschäftigten!

* Große Konzerne der imperialistischen Länder beuten die ArbeiterInnenmassen in den halbkolonialen Ländern blutig aus, allen voran die Frauen, die sich zu Tode schuften. Viele werden täglich geschlagen und sexuell missbraucht. Enteignung der Großkonzerne unter Kontrolle der Beschäftigten! Sofortige Streichung aller Schulden der Halbkolonien an die imperialistischen Parasiten! Für den Aufbau von Arbeiterinnenkollektiven, unterstützt von der ArbeiterInnenbewegung, die sich gegen jeden Übergriff auf Arbeiterinnen in den Fabriken und darüber hinaus zur Wehr setzen können!

* Gegen jede Verschärfung und Einschränkung der Rechte von Prostituierten! Für eine kostenlose Sozialversicherung von Prostituierten und regelmäßige ärztliche Betreuung! Für die flächendeckende Schaffung von Ausbildungsplätzen, in denen jede Prostituierte die Möglichkeit bekommt, eine Ausbildung nachzuholen. Diese Schulungen sollen als bezahlte Arbeitszeit abgehalten werden. Für den Aufbau einer Sex-ArbeiterInnengewerkschaft. Die Abschaffung der Prostitution ist das Ziel des Sozialismus! Nur im Sozialismus wird Recht gesprochen nach dem Interesse der Frauen, wie aller Unterdrückten. Nur im Sozialismus bedeutet ein Verbot der Prostitution Strafe für Zuhälter sowie Freier und mehr Möglichkeiten und Rechte für (ehemalige) Prostituierte! Im Kapitalismus ist ein Verbot abzulehnen, weil es in erster Linie die Prostituierten trifft!

* Für eine revolutionäre Frauenbewegung! Für das Recht auf eigene Versammlungen und Treffen in den Gewerkschaften, den ArbeiterInnenparteien und jedem proletarischen Verein! Nur eine revolutionäre, Fünfte ArbeiterInneninternationale mit starkem weiblichem Antlitz kann den Weg zur Zerschlagung des Kapitalismus und der Bekämpfung der Frauenunterdrückung weisen!

 

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