Dringender Aufruf zur Einheit und zum gemeinsamen Kampf auf einer revolutionären Grundlage

Ein offener Brief an alle wirklichen Revolutionäre für eine internationale Konferenz zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution, um den Aufbau einer Revolutionären Weltpartei voranzubringen
Herausgegeben von der Revolutionär-Kommunistischen Internationalen Tendenz (RCIT), 09.01.2017, www.thecommunists.net (Übersetzung Marek Hangler)

 


Genossinnen und Genossen, Brüder und Schwestern!

 

Dies ist ein dringender Aufruf an alle wirklichen Revolutionäre, sich zu vereinen, damit wir den Aufbau einer Führung für den Kampf gegen die reaktionäre Offensive der herrschenden Klasse vorantreiben können. Die RCIT betrachtet diese Aufgabe als die wichtigste in der gegenwärtigen Periode, die volle Aufmerksamkeit und Ernsthaftigkeit von Revolutionären in allen Ländern weltweit verlangt.

 

Lasst uns daher direkt und ohne diplomatische Floskeln über diese Aufgabe sprechen. An diejenigen, die mit dem amerikanischen und dem russischen sogenannten "Krieg gegen den Terror" im Nahen Osten und Afrika sympathisieren; an jene, die Assads mörderische Eroberung von Aleppo als "Sieg" bejubeln; diejenigen, die die Unterdrückung jeglicher Oppositionen durch die ägyptische Militärdiktatur begrüßen; an die, die Tsipras und die SYRIZA-Führung in Griechenland für ihre "realistische" Regierungspolitik bei der Umsetzung des EU-Memorandums loben - all jenen empfehlen wir: Lest diesen Aufruf nicht weiter, denn er wäre nur eine Verschwendung eurer Zeit!

 

Aber jene unter euch, die entschlossen sind, gegen die Aggressionen aller Großmächte im Westen und Osten zu kämpfen; die bereit sind, die Arbeiter und Unterdrückten gegen die Imperialisten und ihre lokalen Lakaien zu verteidigen; die bereit sind, die Bürokratie in der Arbeiterbewegung zu bekämpfen, die den Widerstand unserer Klasse erwürgt – euch sagen wir: prüft unseren Vorschlag mit aller Ernsthaftigkeit und lasst uns jetzt gemeinsam eine Revolutionäre Weltpartei aufbauen, die den Kampf gegen den Kapitalismus und den Imperialismus und für eine weltweite sozialistische Revolution vorantreibt!

 

Das Jahr 2017 ist der 100. Jahrestag der Oktoberrevolution – das wichtigste Ereignis in der modernen Geschichte, da die Arbeiter und Bauern unter der Führung der bolschewistischen Partei erstmals die Macht eroberten. Doch dieses Jubiläum erinnert uns auch – im krassen Gegensatz zu 1917 – an das völlige Fehlen einer solchen bolschewistischen Partei heute!

 

Wir rufen dringend alle wirklichen Revolutionäre auf, sich zu vereinigen, weil das Hauptproblem der Gegenwart nicht der Mangel an Kampf und Widerstand der Arbeiter und Unterdrückten ist. Das kapitalistische System befindet sich im Verfall und seine wirtschaftlichen, politischen und militärischen Widersprüche beschleunigen sich, wie die RCIT in ihrem jüngsten Dokument zu den Weltperspektiven 2017 dargelet hat. Die tiefe Krise des imperialistischen Systems provoziert ständig Massenkämpfe und Revolutionen. Das Hauptproblem ist vielmehr der völlige Mangel an revolutionärer Führung und damit die Beherrschung der Arbeiter- und Volksorganisationen durch stalinistische, sozialdemokratische, castro-chavistische, kleinbürgerlich-populistische oder islamistische Kräfte. Denn diese Verführer sind entweder völlig korrupt und verkaufen die Massenkämpfe immer wieder im Austausch für einige Posten und Privilegien; oder sie sind ehrlich und engagiert, aber verbinden das individuelle Heldentum mit einer Strategie, die die Massenmobilisierung und Organisierung für die Revolution durch eine elitäre, abgehobene und militaristische Konzeption ersetzt. Während man sagen kann, dass letztere die ehrlichere Version ist, ist sie doch genauso eine perspektivlose Strategie.

 

Folglich geht der Zerfall des Kapitalismus Hand in Hand mit der tiefen Krise der traditionellen Massenorganisationen der Arbeiterklasse und der Unterdrückten. Wir müssen den Arbeitern und Unterdrückten die Wahrheit sagen: Solange sie von solchen nicht-revolutionären Kräften angeführt werden, ist ihr Kampf dazu verurteilt in einer Sackgasse oder sogar einer totalen Konterrevolution zu enden.

 

Die Schlussfolgerungen daraus sind keine arroganten Belehrungen der Massen und kein abwartendes Beseitestehen von ihren Kämpfen. Nur Sektierer und Verräter können solche Schlüsse ziehen. Man kann nur dann als Revolutionär handeln, wenn er oder sie aktiv an den Klassenschlachten teilnimmt, die unsere Brüder und Schwestern immer wieder gegen die Herrschenden führen. Eine solche Teilnahme an Massenkämpfen ist auch notwendig, ja sogar noch dringender, wenn die Führung der Massen nicht-revolutionär ist. Es ist entscheidend, die falschen Führungen konsequent zu bekämpfen, was nur innerhalb des Massenkampfes, aber niemals von außen möglich ist.
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irkliche Revolutionäre müssen diese aktive Teilnahme an den Massenkämpfen mit unerbittlicher Propaganda und Agitation für revolutionäre Taktiken und Slogans verbinden, mit einem konsequenten politischen Kampf gegen die Bürokraten und Irreführer und mit unermüdlichen Anstrengungen, die bewusstesten und militanten Arbeiter und Unterdrückte in einer revolutionären Partei zu organisieren (oder einer Parteiaufbauorganisation als ersten Schritt).

 

Da das politische, wirtschaftliche und militärische Wesen des Kapitalismus unabänderlich international ist und aus seiner inneren Notwendigkeit heraus global funktioniert, kann die Organisierung der Arbeiterklasse und ihrer Kämpfe auch nur international sein. Jede begrenzte, rein nationale Anstrengung, eine revolutionäre Partei aufzubauen, ist zum Scheitern verurteilt und wird sowohl politisch als auch organisatorisch degenerieren. Wirkliche Marxisten müssen unermüdlich daran arbeiten, eine Revolutionäre Weltpartei aufzubauen, oder sie versagen in ihrer grundlegenden Mission!

 

Es ist wahr: eine neue Revolutionäre Weltpartei, die in der Tradition der ersten vier Internationalen steht und auf den Lehren der großen Revolutionäre Marx, Engels, Lenin, Luxemburg und Trotzki basiert, kann nicht mit einem einzigen Schlag aufgebaut werden. Eine solche Internationale muss in den Kämpfen der Arbeiter und Unterdrückten politisch geprüft werden. Allerdings kann und muss die Organisierung eines Kerns - unabhängig von seiner heutigen Größe – für den Aufbau einer solchen Weltpartei sofort beginnen. Warten auf andere, um diese Aufgabe zu bewältigen, ist eine passive und zynische Haltung - nur kollektives Eingreifen und Handeln, auf nationaler wie internationaler Ebene sind eines Revolutionäres würdig!

 

Wir fordern dringend alle wirklichen Revolutionäre auf, sich umgehend zusammenzuschließen und eine konkrete Plattform für den Klassenkampf zu besprechen und den Aufbau einer Revolutionären Weltpartei voranzutreiben. Als konkreten ersten Schritt in diese Richtung schlägt die RCIT vor, gemeinsam mit allen Interessierten im Jahr 2017 – den 100. Jahrestag der Oktoberrevolution – eine internationale Konferenz zu organisieren. Eine solche Konferenz sollte die Grundlage für die gemeinsame kollektive Arbeit zur Bildung einer Revolutionären Weltpartei legen.

 

Das Zusammenkommen für eine solche gemeinsame Initiative zur internationalen Organisierung von Revolutionären ist nur auf der Grundlage einer Einigung über die wichtigsten politischen Fragen des gegenwärtigen weltweiten Klassenkampfes möglich. Wie wir bereits in unserem Dokument zu den Weltperspektiven dargelegt haben, erachtet die RCIT in der gegenwärtigen politischen Phase folgende Fragen als solche programmatischen Grundpfeiler:

 

a) Die Anerkennung der zunehmenden Rivalität zwischen den imperialistischen Großmächten – den USA, der EU, Japan, Russland und China. Es ist nur möglich, die treibende Dynamik der gegenwärtigen kapitalistischen Krise zu verstehen und eine korrekte Position einzunehmen, wenn man nicht nur den imperialistischen Charakter der USA, der EU und Japans, sondern auch der neuen aufstrebenden Mächte Russland und China anerkennt. Nur auf solch einer Grundlage ist es möglich, das einzig richtige Programm zu diesem Thema zu erarbeiten - den revolutionären Defätismus, das heißt die Perspektive eines konsequenten Kampfes gegen alle imperialistischen Mächte. Das bedeutet, dass sich Revolutionäre weigern irgendeine Großmacht in inner-imperialistischen Konflikten unterstützen, nach dem Motto "Der Hauptfeind steht im eigenen Land!".

 

b) Der konsequente Kampf gegen den Imperialismus. Revolutionäre stehen für die Niederlage imperialistischer Staaten in jeglichen Konflikten mit Kräften, die unterdrückte Völker repräsentieren. Sie treten für den militärischen Sieg der letzteren ein, ohne den nicht-revolutionären Führungen der Unterdrückten (z.B. kleinbürgerliche Islamisten, Nationalisten) politische Unterstützung zu gewähren. Dies gilt sowohl für inländische Konflikte (z. B. gegen eine unterdrückte Nation wie das tschetschenische Volk in Russland) als auch für Kriege im Ausland (z. B. Afghanistan, Syrien, Mali, Somalia). Ebenso müssen Revolutionäre in den imperialistischen Ländern für offene Grenzen und für die volle Gleichberechtigung für nationale Minderheiten und für Migranten kämpfen. Darüber hinaus weigern sich Revolutionäre, ein imperialistisches Lager gegen ein anderes in einem gegebenen Konflikt zu unterstützen (z. B. Brexit vs. EU, Clinton vs. Trump).

 

c) Fortsetzung der Unterstützung für die Arabische Revolution. Die Aufstände der Volksmassen in Tunesien, Ägypten, Libyen, Syrien, Jemen und anderen Ländern sind seit dem Beginn der neuen historischen Periode im Jahr 2008 die wichtigste und fortschrittlichste Klassenkampfentwicklung. Es ist wahr: angesichts des Mangels an revolutionärer Führung haben die Massen eine Reihe schrecklicher Niederlagen erlitten – wie der Staatsstreich von General al-Sisi in Ägypten im Juli 2013 oder die fortdauernde Abschlachtung des syrischen Volkes durch Assad und seine ausländischen Hintermänner. Der revolutionäre Prozess setzt sich dennoch fort, und dies spiegelt sich in dem anhaltenden Volkswiderstand in Syrien, Jemen, Ägypten, Marokko, usw. wieder. Wirklich revolutionäre Kräfte müssen diese Massenkämpfe gegen Diktaturen und reaktionäre Kräfte bedingungslos unterstützen, ohne jegliche politische Unterstützung für ihre nicht-revolutionären Führer (z.B. kleinbürgerliche Islamisten).

 

d) Beteiligung an allen Massenkämpfen gegen Sparprogramme und gegen reaktionäre Angriffe auf demokratische Rechte. Revolutionäre widersetzen sich allen Formen des Sektierertums, die die Teilnahme an Massenkämpfen unter dem Vorwand ihrer nicht-revolutionären Führung ablehnen. Stattdessen wenden sie die Einheitsfronttaktik in den Kämpfen der Arbeiter und Bauern an, die von reformistischen oder populistischen Kräften gegen Sparprogramme geführt werden (z.B. Gewerkschaften, Massenorganisationen der Bauern und städtischen Armen, aber auch politische Parteien wie MORENA in Mexiko, SYRIZA in Griechenland bis 2015, PODEMOS in Spanien) oder gegen antidemokratische Putsche und Diktaturen (PT, CUT, MST in Brasilien; Islamisten in Ägypten; Rebellen in Syrien). Eine solche Ausrichtung muss mit einem konsequenten Kampf gegen alle Formen der Volksfrontpolitik und des kleinbürgerlichen Populismus, und für das Wegbrechen der Arbeiter und Bauern von diesen nicht-revolutionären Führungen verbunden werden. Zugleich muss die Bildung einer unabhängigen und revolutionären Arbeiterpartei vorangetrieben werden.

 

Eine solche Einigung kann aber nur der Ausgangspunkt für eine intensive Phase gemeinsamer Diskussionen und Aktivitäten sein. Es ist wichtig, ein gemeinsames Verständnis der marxistischen Theorie und des Programms zu entwickeln, was auch kontroverse und sogar scharfe Diskussionen zwischen den beteiligten Organisationen notwendig machen kann. Ein solches gemeinsames programmatisches Verständnis wird geprüft, indem es in der Praxis durch gemeinsame Aktivitäten umgesetzt wird.

 

Daher rufen wir alle Organisationen auf, die ehrlich um die Schaffung einer neuen Revolutionären Weltpartei bemüht sind, sich auf der Grundlage dieser programmatischen Grundpfeiler zusammenzuschließen. Konkret schlägt die RCIT vor, dass Revolutionäre ein Gemeinsames Kontaktkomitee aller Kräfte gründen, die der grundlegenden Linie mit einer solchen Perspektive einverstanden sind. Die Aufgabe eines solchen Komitees besteht darin, im Jahr 2017 politisch und organisatorisch eine internationale Konferenz vorzubereiten. Ziel einer solchen Konferenz wäre es, konkrete Schritte zur Vorantreibung der Gründung einer Revolutionären Weltpartei zu erörtern.

 

Das RCIT legt seine grundlegenden Dokumenge zur Diskussion unter revolutionären Kämpferinnen und Kämpfern vor - insbesondere das kürzlich verabschiedete programmatische Manifest der revolutionären Befreiung. Wir sind natürlich gleichermaßen bereit Dokumente von anderen Organisationen zu studieren und zu diskutieren. Wir sind überzeugt, dass wirkliche Revolutionäre auf der Grundlage solcher Dokumente eine gemeinsame Plattform für kollektive Arbeit zum Aufbau einer Revolutionären Weltpartei ausarbeiten können.

 

Wir sind uns bewusst, dass es nicht immer einfach ist, eine gemeinsame internationale Organisation mit Kräften aus unterschiedlichen Traditionen und Erfahrungen zu schaffen. Revolutionäre sollten sich nicht erschrecken angesichts der Möglichkeit kontroverser Diskussionen und der Notwendigkeit, verschiedene Standpunkte im Klassenkampf zu testen. Eine ernsthafte Einstellung zu Meinungsverschiedenheiten – das heißt eine offene Diskussion über sie, anstatt sie diplomatisch zu verbergen – ist letztlich der einzig ehrliche und fruchtbare Weg, sie zu überwinden.

 

Ebenso kann es gut sein, dass es notwendig ist, vorab Zwischenstufen zu schaffen, um voneinander zu lernen und systematisch näher zu kommen. Aber es steht außer Frage, dass wir jetzt einen solchen Prozess gemeinsam beginnen müssen!

 

Genossinnen und Genossen, wir können das Erbe der sozialistischen Oktoberrevolution 1917 nur ehren, wenn wir gemeinsam im Geiste und auf der Grundlage des programmatischen und organisatorischen Lehren der Bolschewiki handeln. Lasst uns gemeinsam mit geballter Entschlossenheit die historische Mission unserer Generation bewältigen: die Schaffung einer Revolutionären Weltpartei als das wichtigste Instrument der Arbeiterklasse im Kampf um die Befreiung! Lasst uns keine Zeit verlieren oder Energie verschwenden; Lasst uns vorwärts marschieren - zusammen - JETZT!

 

Keine Zukunft ohne Sozialismus!
Kein Sozialismus ohne Revolution!
Keine Revolution ohne Revolutionäre Partei!


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Wir ersuchen Organisationen und Aktivisten, die die grundlegende Stoßrichtung dieses offenen Briefes teilen, uns zu kontaktieren und uns ihre Ideen und Kritik zu schicken, damit wir konkrete Schritte zur gemeinsamen Diskussion und Zusammenarbeit besprechen können: rcit@thecommunists.net

 

Die RCIT ist eine internationale revolutionäre Organisation, die Sektionen und AktivistInnen in 13 Ländern auf der Grundlage eines gemeinsamen Programms und organisatorischer Prinzipien des demokratischen Zentralismus hat (Aotearoa/Neuseeland, Brasilien, Deutschland, Großbritannien, Israel/besetztes Palästina, Jemen, Mexiko, Österreich, Pakistan, Sri Lanka, Tunesien, Türkei und Venezuela).

 

Für eine umfassendere Übersicht zu den Standpunkten der RCIT verweisen wir Interessente auf unsere Website www.thecommunists.net. Insbesondere verweisen wir auf unser Manifest für Revolutionäre Befreiung. Die Aufgaben des Befreiungskampfes gegen den verfaulenden Kapitalismus (angenommen am 1. Kongress der RCIT im Oktober 2016, https://www.thecommunists.net/home/deutsch/rcit-programm-2016/). Wir haben dieses Manifest bereits in sechs verschiedenen Sprachen veröffentlicht und werden noch einige weitere Sprachen hinzufügen.

 

Wir verweisen auch auf das jüngste Dokument der RCIT zur Weltperspektive (in englischer Sprache): World Perspectives 2017: The Struggle against the Reactionary Offensive in the Era of Trumpism. Theses on the World Situation, the Perspectives for Class Struggle and the Tasks of Revolutionaries (adopted on 18th December 2016, https://www.thecommunists.net/theory/world-perspectives-2017/)

 

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